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Was ist die soziale Dreigliederung? Kurzversion - Langversion

Mensch und Gesellschaft sind immer komplexer geworden. Die heutige Krise zeigt, daß wir dieser Realität nicht immer gewachsen sind. Sich für eine soziale Dreigliederung einzusetzen, heißt auf eine Gesellschaft hinzuarbeiten, die den Menschen vollnimmt, mit all seinen scheinbaren Widersprüchen.

Zu diesen inneren Widersprüchen gehören die Ideale der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Sie lassen sich deswegen nur zu leicht gegeneinander ausspielen. Bekommt aber jedes Ideal einen eigenen Bereich, wo es sich voll ausleben kann, staunt man bald, wie es stattdessen zu einer gegenseitigen Befruchtung kommt. Was sind aber diese Bereiche?

Die Gleichheit läßt sich relativ problemlos dem Rechtsleben zuordnen. Wer aber beim Geistesleben an Freiheit denkt und unter Geistesleben nicht nur die Kultur, sondern auch die Bildung versteht, findet sich möglicherweise in der Minderheit. Und wer dem Wirtschaftsleben - statt die Freiheit - die Brüderlichkeit zuordnet, muß erst recht von der heutigen Wirklichkeit absehen und den Blick auf das versteckte Potential der Globalisierung werfen.

Vielleicht steht unsere Gesellschaft einfach auf dem Kopf, so daß sie erst wieder auf die Füße gestellt werden muß. Wer in diese Richtung arbeiten möchte, wird beim Ansatz der sozialen Dreigliederung wertvolle Anregungen finden.  J

eder Mensch ist eine Minderheit   Freiheit im Geistesleben

Die Kultur lebt von der Kreativität und damit von der individuellen Freiheit. Wer hier die Gruppe über den Einzelnen setzt, macht beide zu Schatten ihrer selbst. Wie bekommt jeder von uns eine Chance, kultureller Grenzgänger zu werden?

Es gibt natürlich die Möglichkeit, nach der Schule erst einmal für ein Jahr ins Ausland zu gehen. Aber wieso ist es uns noch nicht gelungen, aus der Schule selber eine Weltreise zu machen? Aus lauter Staatsnähe tendieren unsere Schulen dazu, aus der jeweiligen Mehrheitskultur eine Monokultur zu machen. Ganz abgesehen von der Wirtschaft, die sich am liebsten mit einer einheitlichen Weltsprache zufrieden geben würde.

Wer sich aber immer wieder in Frage stellen will, muß sich auch im Spiegel anderer Kulturen sehen können. Vielleicht kann er dann die eine Sprache nicht mehr so perfekt beherrschen, wird aber wenigstens nicht von ihr beherrscht.

Nicht umsonst schlägt die soziale Dreigliederung vor, die Schulen zu entstaatlichen, um sie als Bürgerinitiativen weiterzuführen. Wäre das nicht der Grundstein für eine wirkliche kulturelle Vielfalt?

Jeder Mensch ist die Menschheit   Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben

Ist die Globalisierung nicht eine verpaßte Chance? Wer mit dem Zufall des Marktes rechnet, verrechnet sich oder den anderen. Wie bekommen wir Preise von denen alle leben können?

Wir haben heute die paradoxale Situation, daß es trotz Überproduktion zu Hungersnöten kommt. Kleinbauern in den Entwicklungsländern können der Konkurrenz der hochsubventionierten Agrarprodukte aus Europa und Amerika nicht standhalten und landen in die Armenviertel der Großstädte. Die Abschaffung aller Subventionen und Zölle würde das Problem aber nur verlagern. Einige Entwicklungsländer, die sich darauf eingelassen haben, haben es mit ihrer Industrie bezahlt.

Besser geht es den Kleinbauern, die am Fairen Handel teilhaben können und sich nicht mehr auf ihre Regierung verlassen müssen. Man kann von einer Vertragswirtschaft sprechen, die dabei ist, die blinde Marktwirtschaft abzulösen.

Angeregt durch die soziale Dreigliederung versucht Sekem auch im eigenen Land - Ägypten - einen Absatz für den Fairen Handel zu finden. Und in Europa richtet sich die Initiative Regiofair mit demselben Anliegen an die heimischen Bauern.

Jeder Mensch ist ein Bürger   Gleichheit im Rechtsleben

Die Demokratie hat nicht umsonst die Sklaverei abgeschafft. Wer aber sein Unternehmen oder seine Aktien verkauft, verkauft Menschen. Wie lassen wir das Kapital so zirkulieren, daß noch mehr Arbeit, aber keine Menschen wegrationalisiert werden?

Verstaatlichungen lähmen die unternehmerische Initiative, Privatisierungen die soziale Verantwortung. Immer mehr sozial orientierte Unternehmer, die sich mit der sozialen Dreigliederung auseinander gesetzt haben, finden einen Ausweg aus diesem Dilemma.

Sie wollen freie Hand bei Investitionen behalten, wollen aber nicht, daß ihre Firma später in die Hände von Investoren gerät, die alles der Gewinnmaximierung opfern. Sie wollen auch nicht, daß ihre Kinder, die sich gar nicht dazu eignen, ihre Firma herunterwirtschaften. Statt, wenn sie nicht mehr weiter können, die Firma zu verkaufen oder zu vererben, bestimmen sie einen Nachfolger ihres Vertrauens und übertragen die Firma einer Stiftung.

Solche Unternehmer handeln aus sozialem Gewissen, so wie früher vereinzelt Sklavenhalter ihre Sklaven freigelassen haben. Unsere Demokratie steht aber vor der Aufgabe, die Verkäuflichkeit von Unternehmen so abzuschaffen, wie sie damals die Sklaverei abgeschafft hat. Mögen einige dabei viel zu verlieren haben. Noch mehr verlieren werden diejenigen, die meinen, gegen solche unverkäufliche Unternehmen bestehen zu können.

Jeder Mensch ist die Brücke   Zusammenwirken der Extreme

Jeder Mensch ist also zugleich eine Minderheit, ein Bürger und steht für die ganze Menschheit. Soziale Einrichtungen müssen aber einfacher gestrickt sein. Sie können jeweils nur eins davon. Menschlich wird die Gesellschaft erst durch das Zusammenwirken der sozialen Einrichtungen, wenn diese anfangen, sich wirklich zu ergänzen, ohne einander vereinnahmen zu wollen.

Wer ist aber der Garant dafür, daß die sozialen Einrichtungen mit ihrer Einseitigkeit nicht auseinanderdriften? Niemand außer der Mensch selbst. Er ist es, der die Brücken schlägt. Er ist nicht nur Bürger im Staate, sondern auch aktiv im Kulturellen und im Wirtschaftlichen. Der Mensch ist die Einheit der Gesellschaft. Und je mehr er damit zu schaffen hat, desto besser.

Sylvain Coiplet Lesen Sie mehr darüber auf:                            http://www.dreigliederung.de/index.php

Das Institut für soziale Dreigliederung ist ein freier Zusammenschluß.                     Wir versuchen gleichzeitig, Grundlagenforschung und Journalismus zu treiben.

Jeder kann mitmachen. Eine Liste mit Vorschlägen haben wir für Dich zusammengestellt. Und wenn Du keine Zeit hast, dann kannst Du uns vielleicht finanziell unterstützen.






Integrale Politik für eine tiefgreifende Erneuerung der Gesellschaft.

Grundlagen integraler Politik Kurzfassung

Präambel

Integrale Politik unterscheidet sich unter anderem dadurch von den traditionellen politischen Links-Rechts-Standpunkten, dass es ihr nicht um Rechthaben im Sinne der Durchsetzung einer bestimmten Position, einer Wahrheit oder einer Perspektive als der einzig richtigen geht, sondern um eine möglichst umfassende Sicht der Dinge. Die Frage lautet also nicht: “Wer hat recht?”, sondern: “Was müssen wir alles berücksichtigen, um zu einem wahrhaft umfassenden, das heisst integralen Lösungsansatz der oft komplexen Probleme unserer Gesellschaft zu gelangen?”

 

1. Zur Bedeutung von „integral“

Integration der vier Ebenen in uns

Integral bedeutet, dass wir alle vier Ebenen, die physisch-materielle, die emotionale, die mentale (Vernunft) und die seelisch-spirituelle in uns erkennen und unterscheiden, dass wir alle vier anerkennen und zu einem Ganzen zusammenfügen respektive integrieren. Keine Ebene wird verdrängt.

Gleichwertigkeit der vier Ebenen Integral bedeutet auch, dass wir diese vier Ebenen als gleichwertig betrachten, womit die mentalrationale Ebene sowie die materiell-physische ihre heutige Vorherrschaft verlieren. Gleichzeitig  wird die spirituelle Ebene aufgewertet. Somit ist das integrale Bewusstsein post-materialistisch und post-rational. Weder das Materielle noch das Rationale werden darin verdrängt; sie werden vollumfänglich berücksichtigt, sind aber nicht mehr dominant.

Nicht-materielle Bedürfnisse

Wir stellen fest, dass den vier Ebenen ganz verschiedene Bedürfnisse zugeordnet sind. Drei der vier Ebenen beinhalten vornehmlich nicht-materielle Bedürfnisse. Es ist letztlich nicht möglich, sie  mit materiellen Dingen, mit Konsum und Besitz, zu befriedigen. Es trotzdem zu versuchen, geht einher mit einer Überbewertung der materiellen Bedürfnisse und führt leicht zu Gier, Sinnleere und Sucht.

Den Gedanken und Gefühlen zuschauen; Identifikation mit dem Bewusstsein

Integrales Bewusstsein beruht auf der Schulung der inneren Beobachtung unserer Gedanken und Gefühle. Wenn wir lernen, unseren Gedanken und Gefühlen zuzuschauen, verlieren wir die Identifikation mit ihnen, wir bekommen Distanz zu unserem Denken und Fühlen. Hingegen spüren wir immer mehr, dass wir reines Bewusstsein sind, das unsere Gedanken und Gefühle übersteigt.

Zusammengehörigkeit, alles ist verbunden: Geborgenheit in der Welt

Integrales Bewusstsein nimmt wahr, dass „ich“ und die Welt nicht getrennt voneinander sind, sondern ein grösseres Ganzes bilden. „Ich“ und die Welt und der Kosmos bilden ein Ganzes. Alle Teile dieses Ganzen sind miteinander verbunden. Die Empfindung dieser Zusammengehörigkeit führt zu einem Gefühl umfassender Liebe zur Welt, zu allem Seienden, zur Erde, zu Pflanzen, Tieren und Menschen. Sie führt zu tiefer Geborgenheit und Urvertrauen. Dieses Aufgehobensein bestimmt die integrale Grundhaltung. Sie ist spirituell im weitesten, transreligiösen Sinn, wissend, dass unser In-der-Welt-Sein eine Manifestation des EINEN ist.

Integral als Qualität einer umfassend ausgerichteten Politik

Dieses integrale Bewusstsein führt zu einer integralen Politik, die erstens liberal ist in dem Sinn, dass sie die politische und kreative Freiheit und Verantwortung des Menschen bejaht, masslose Bereicherung und Machtanhäufung jedoch ablehnt. Zweitens ist sie sozial, indem sie die Chancengleichheit für die persönliche Entfaltung fordert und gleichzeitig die materielle und soziale Gerechtigkeit sichern will. Drittens ist sie ökologisch, indem sie bestrebt ist, uns und unsere

menschlichen Bedürfnisse als eins und gleichwertig mit denjenigen unserer natürlichen Mitwelt zu sehen und auch ihnen entsprechend Rechnung zu tragen. Und viertens ist sie spirituell, indem sie immer wieder auch die Sinndimension mit einbezieht, im Hinblick auf das Individuum und auf die Gesellschaft.

 

2. Das integrale Welt- und Menschenbild

 
2.1. Die menschlichen Seinsebenen

Wie bereits erwähnt, ist der Mensch Teil von vier verschiedenen Seinsebenen. Wir fassen sie vereinfacht wie folgt zusammen:

• die physikalisch-biologische Ebene von Energie, Materie und Leben

• die emotionale Ebene der Wahrnehmung und der Gefühle

• die mentale Ebene, der zum Beispiel Intellekt und Verstand zugeordnet sind und die ihren Ausdruck in Philosophie, Kunst, Wissenschaft, aber auch in der Gesellschaftsordnung findet

• die spirituelle, seelisch-geistige Ebene des allumfassenden Seins.

Drei der vier Ebenen sind nicht-materieller Natur.

 

2.2. Die aktuellen Problemfelder

Wir sehen heute drei grosse Problemfelder der Menschheit: das soziale, das ökologische und das psychische.

Die ihnen entsprechenden Probleme haben ihre gemeinsame Ursache darin, dass die nichtmateriellen Bedürfnisse wie Zuneigung, Zugehörigkeit, Gerechtigkeit, kreativer Ausdruck, Sinn und Geborgenheit nicht auf der materiellen Ebene von Konsum und Besitz befriedigt werden können.

Alle diese menschlichen Bedürfnisse können letztlich nur auf auf den nicht-materiellen Ebenen wirklich gestillt werden.

Der Versuch, die nicht-matriellen Bedürfnisse durch Ersatzbefriedigungen auf der materiellen Ebene zu stillen, führt zu einer dreifachen Krise: sozial, bedingt durch Gier auf der einen und Mangel auf der anderen Seite, ökologisch durch Überkonsum, der die Trag- und Regenerationsfähigkeit unserer natürlichen Lebensgrundlagen überfordert und psychisch, weil die tieferen menschlichen Bedürfnisse missachtet werden.

Es geht also darum, dass die Menschheit die materielle Ausrichtung aus der Mitte ihrer Bestrebungen entfernt und sich eine neue, im Kern nicht materielle Zentrierung gibt. Das Anhaften an Konsum und Besitz muss überwunden, die materielle Basis – zu der auch die Natur gehört – jedoch gleichzeitig mit aller Achtsamkeit gepflegt werden. Anstelle des materiellen Wachstums tritt emotionales und geistig-spirituelles Wachstum als Ziel von Individuum und Gesellschaft.

 

2.3. Die integrale Bewusstseinsstruktur

Die philosophische Grundlage integralen Handelns ist ein rational-spirituelles Welt- und Menschenbild.

Die rationale Betrachtungsweise der Welt, die Moderne, wie sie von der Renaissance und der Aufklärung entwickelt wurde, hat die mythische Weltsicht der traditionellen Religionen in Frage gestellt. Die darauf folgende postmoderne Philosophie des 20. Jahrhunderts hat mit ihrer radikalen Kritik an jeglicher Wertstruktur dem Dogmatismus und Fundamentalismus die Daseinsberechtigung

entzogen. Sie hat aber gleichzeitig die Menschen in eine tiefe Sinnkrise gestürzt, da kein Halt, keine Orientierung und keine Werte mehr Gültigkeit besitzen. Darunter leidet unsere Welt heute sehr.

Die integrale Bewusstseinsstruktur überschreitet nun die Postmoderne und öffnet sich einer Spiritualität, die das rationale Weltbild bejaht, integriert und gleichzeitig transzendiert. Integrales Handeln verurteilt nicht, bezieht jedoch klar Stellung und entscheidet intuitiv aus der Herzensmitte.

 

2.4. Spiritualität

Die Spiritualität wurde durch die Aufklärung weitgehend von Dogmatismus und Mythos befreit und gleichzeitig geschwächt. Das integrale Bewusstsein anerkennt nun aber die vier erwähnten Seinsebenen als gleichwertig an: Die Spiritualität erhält neben dem Verstand (resp. der Vernunft), den Gefühlen und dem Körperlich-Materiellen wieder ihren angemessenen Platz.

Integrale Politik achtet alle spirituellen Traditionen, sofern sie tolerant und gewaltlos sind, ohne sich als politische Gruppierung einer von ihnen zuzuordnen. Wie auch immer der Zugang sein mag, die grundlegende Erfahrung der Spiritualität ist die Einheit von Allem, die absolute Verbundenheit, die einhergeht mit der Erfahrung von Liebe, die weder Ausgeschlossenheit noch Trennung kennt. Das gibt uns eine radikale Verantwortung für unser Tun: Wir wählen in eigener Verantwortung die Gestalt unseres Lebens und die Organisationsformen unseres Zusammenlebens
unter Menschen und mit der Natur.

 

2.5. Wertordnung

Die Erfahrung der Einheit von allem Seienden führt zum Primat der Liebe als Grundlage der Ethik und als Voraussetzung von lebensdienlichem Wirken und Gestalten. Dabei geht die integrale Bewegung davon aus, dass die Menschheit entwicklungsfähig ist und die gegenwärtigen Krisen eigenverantwortlich überwinden kann.

 

3. Die integrale politische Ordnung

Der Staat hat sowohl die berechtigten Ansprüche des Individuums auf Eigenentfaltung und Eigenverantwortung als auch Forderungen nach Kooperation, Solidarität und ökologischer Nachhaltigkeit zu garantieren.

Das Individuum soll einerseits nicht nur als Teil der Gesellschaft, sondern als eigene Person mit eigener Würde und Bedeutung anerkannt werden. Andererseits muss der Staat die Freiheit und die Entwicklungsmöglichkeiten des Individuums auch begrenzen, wenn sie das Gesamtwohl und die Solidarität unter den Bürgerinnen und Bürgern gefährden. Der Staat hat für eine freie Entfaltung auch der Minderheiten zu sorgen, Kultur und Natur zu schützen und die Eigenständigkeit der Wirtschaft so zu regulieren, dass sie solidarisch dem Ganzen dient.

Die staatlichen Regulierungen sind aus den Grund- und Menschenrechten abzuleiten. Diese überschreiten den Rahmen des Staatsgebiets und gründen in den Menschenrechten, wie sie von der UNO formuliert sind.

Als Grundidee einer sich am Menschen orientierenden Staats- und Rechtsform betrachten wir Föderalismus und Subsidiarität. Sie bedeuten, dass die übergeordnete politische Ebene nicht regeln soll, was auf der unteren geregelt werden kann, dass aber übergeordnete Problemkreise auch auf übergeordneter Ebene geregelt oder zumindest koordiniert werden müssen.

Aus dieser integralen Haltung leiten wir unter anderem folgende Aufgabenfelder und Massnahmen ab:

• Die direkte Demokratie, die das Recht auf Gesetzesinitiativen und Referenden auf allen föderalen Ebenen gewährleistet, soll aufrechterhalten und gestärkt werden. Die entsprechenden Rechte müssen gerichtlich überprüft und eingefordert werden können. Dazu gehört die Forderung nach einem schweizerischen Verfassungsgericht.

• Parlament und Regierung sowie Regierung und Rechtssprechung sind konsequent zu entkoppeln. Die teilweise geschwächte klassische Gewaltenteilung soll wieder gestärkt werden.

• Die Schweiz soll bei der Gründung weltweiter, normensetzender Institutionen mitwirken, welche mit den nötigen Befugnissen ausgestattet sind, internationalen Konzernen und anderen Machtgebilden Grenzen zu setzen. Diese Institutionen müssen immer demokratischer Kontrolle unterliegen. Dabei sind auch NGOs und andere zivilgesellschaftliche Allianzen einzubeziehen.

• Das Grund- und Bodenrecht soll so ausgebaut werden, dass die Allgemeinheit Eigentümerin, in der Regel aber nicht Nutzerin von Grund und Boden ist.

 

4. Integrale Bildung, Erziehung und Kultur

Eine ganzheitliche, grundsätzlich allen Mitgliedern der Gesellschaft zugängliche integrale Bildung ist unseres Erachtens die wichtigste Voraussetzung für eine innovative, solidarische, friedfertige und den Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung verpflichteten Gesellschaft. Diese Bildung fördert die Bewusstseins-entwicklung und das innere Wachstum des Menschen und strebt eine
umfassende Lebensweisheit an.

Eine integrale Bildung fördert gleichmässig alle vier Seinsebenen in allen Lebensabschnitten. Sie stellt eine adäquate Grundlage dar, um im Zeitalter der globalen Vernetzung eine zukunftsfähige  Weltgesellschaft auf der Basis vielfältiger Kulturen und regionaler Wirtschaftsräume zu ermöglichen.

Integrale Bildung fördert ein globales Bewusstsein und wird gleichzeitig der Einmaligkeit und dem Potenzial eines jeden Menschen gerecht. Sie geht von der Bewusstseinsbildung und Entwicklungsfähigkeit der Menschen in unterschiedlichsten Bereichen aus. Das bedeutet lebenslanges Lernen, von der Kleinkindförderung bis hin zur Seniorenuniversität. Dabei sind integrales Lernen und die Institutionen, die es fördern, dem ursprünglichen Bildungsgedanken der Selbstbildung verpflichtet und verstehen Bildung nicht als Mittel zum Zweck.

Grundlage der Erziehung bildet die Liebe zum Kind, die sein Interesse und seine Begeisterung weckt und erweitert, ihm aber auch Grenzen setzt, vor allem dort, wo sonst die Autonomie und die Freiheit anderer nicht mehr gewährleistet wären.

In der Schule stehen wir für eine fehlertolerante Pädagogik ein, die auf Fördern und Fordern setzt.

Die Bedürfnisse und Impulse der Kinder und Jugendlichen werden mit einbezogen, womit – in einem bewussten, geschützten Rahmen – ihre Kreativität genutzt und ein partnerschaftliches Lernen möglich wird.

Auch während der Familien- und Erwerbsphase haben alle Mitglieder der Gesellschaft Anrecht auf Aus- und Weiterbildung.

Im Seniorenalter schliesslich stehen – nebst der Vertiefung und dem Austausch des erworbenen Wissens und der Lebenserfahrung – die Erhaltung und Förderung der Gesundheit, die gegenseitige Hilfestellung sowie Impulse für bewusstes Loslassen, Altern und Sterben im Vordergrund.

Integrale Bildung will dazu beitragen, dass die Menschen ihre Kreativität entwickeln und in allen Bereichen des Lebens zum Ausdruck bringen – sei dies im Alltag, beim Kochen, in der Sprache, im Handwerk, in anderen beruflichen Tätigkeiten oder im professionellen Kunstschaffen. Die Kultur unserer Gesellschaft basiert auf der Qualität der Mitgestaltung aller, die an ihr teilhaben, auf der Qualität der Beziehungen der Menschen untereinander und zur Natur.

 

5. Integrale Wirtschaftsordnung

Das Kapitel „Wirtschaftsordnung“ der Grundlagen integraler Politik enthält Vorschläge und Vorstellungen, die tiefgreifende Veränderungen unserer gewohnten Sichtweisen fordern und deswegen in geraffter Form nicht zur Darstellung gebracht werden können. Wir beschränken uns hier auf die Vision und eine kurze Zusammenfassung der vorgeschlagenen Massnahmen.

 

5.1. Vision

 
– Überwindung des Materialismus

Die Deckung der materiellen Bedürfnisse orientiert sich am lebensdienlichen Mass. Materieller Wohlstand mit Mass trägt zur Lebensqualität bei und bildet eine Grundlage der Entfaltung. Menschen, deren grundlegende Bedürfnisse befriedigt sind, können und sollten sich vermehrt kulturellen, sozialen, kreativen und geistig-spirituellen Inhalten und Zielen widmen.

– Chancengleichheit und Gerechtigkeit

Wirtschaften kann und muss mit der Würde des Menschen im Einklang sein. Jeder Mensch soll über eine ausreichende Grundausstattung an materiellen und immateriellen Gütern verfügen, damit er sich in Freiheit selbstverantwortlich entwickeln kann. Teilen, Verteilen, sich Bescheiden werden zu Eckpfeilern einer friedlichen, blühenden Gesellschaft.

– Ökologische Nachhaltigkeit

Die Wirtschaft hat dem Prinzip der ökologischen Nachhaltigkeit zu genügen. Wir wollen unsere Verantwortung auch der Schöpfung und zukünftigen Generationen gegenüber wahrnehmen. Gier auf der einen und Mangel auf der anderen Seite müssen durch die lebensdienliche Menge ersetzt werden. Wir sind uns bewusst, dass die entwickelten Länder ihren materiellen Verbrauch zu drosseln haben und die regionalen Wirtschaftskreisläufe intensiviert werden müssen.

– Selbstregulation des Marktes

Die Wirtschaft soll in einem umfassenden Sinn effizient und anpassungsfähig sein, ohne einem Wachstumszwang zu unterliegen. Grundsätzlich soll der Markt Angebot und Nachfrage regulieren. Wenn diese Selbstregulation nicht zum Erreichen der volkswirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Ziele führt oder gar zur Selbstwucherung wird, braucht es jedoch gesellschaftliche Regulierungen.

– Primat der Politik

Die Wirtschaft untersteht dem Primat der Politik, das heisst die Politik ordnet und reguliert, wo es notwendig ist, schafft aber auch Freiräume, in denen die Wirtschaftseinheiten selbstverantwortlich agieren und ihrer Verpflichtung der Gemeinschaft gegenüber nachkommen können. Hierzu benötigt die Gesellschaft neue, umfassende Indikatoren für das Mass der wirtschaftlichen und gesell-schaftlichen Entwicklung.

Wie und wer national und international dem Menschen Grenzen setzt, soll eindeutig definiert werden. Nur eine durchgehend funktionsfähige demokratische Struktur – von der Weltebene über kontinentale Wirtschaftsräume bis hin zu den Nationalstaaten oder Regionen – kann die heutigen Auswüchse der Globalisierung in Schranken weisen und an deren Stelle regionale Kreisläufe stärken.

Grosse Bedeutung kommt dabei – im doppelten Sinn – dem Subsidiaritätsprinzip zu: Die Feinregulierung wirtschaftlicher Abläufe und gesellschaftlicher Prozesse soll auf möglichst lokaler Ebene erfolgen. Gleichzeitig sollen regional und national Keimzellen und Experimentierfelder für die angestrebte nachkapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung entstehen und gefördert werden.

 

5.2. Massnahmen

Wir streben eine nachkapitalistische Wirtschaftsordnung an, jenseits von Kapitalismus und Kommunismus, damit sich alle Menschen auf allen Ebenen entfalten können, unter Bewahrung der Lebensgrundlagen auch unserer Mitwelt.

Die Massnahmen, die wir vorschlagen, zielen dahin, die materielle Wachstums-dynamik der wohlhabenden Gesellschaften zu bremsen und in Richtung einer qualitativen Entwicklung auf der Basis von Kreativität, Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit zu lenken. Eckpfeiler dazu

sind unter anderem:

– die gleichmässigere Verteilung des Arbeits- und Kapitaleinkommens

– die Neugestaltung des Sozialsystems

– die Verteilung grosser Vermögen nach dem Ableben wohlhabender Personen

– die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen

– die Reduktion wirtschaftlicher Machtkonzentration.

Dadurch werden die Chancengleichheit und die Möglichkeit, sich zu entfalten, für alle Menschen erheblich gesteigert.

Viele der vorgeschlagenen Massnahmen sind tief greifend. Sie können nur dann verwirklicht werden, wenn sie in einem demokratischen Prozess gereift sind. Dieser Prozess wird viele Jahre dauern, denn er basiert auf der Schulung und Bildung eines integralen Bewusstseins.

Wir knüpfen dabei sowohl an liberales wie auch an soziales und ökologisches Gedankengut an und legen sehr grossen Wert auf die Entfaltung der Selbständigkeit der Individuen. Durch diesen Prozess wird die Kreativität des Einzelnen gefördert, und die Leitungsfunktionen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft werden vermehrt an Menschen übergehen, die nicht auf Reichtum und Macht, sondern in einem sehr umfassenden Sinn auf das Allgemeinwohl ausgerichtet sind.

 

6.Wissenschaft und Forschung

Angesichts der bedrohlichen Lage der Menschheit und unserer Mitwelt müssen sowohl die Erkenntnisprinzipien wie auch die Forschungsinhalte der Wissenschaft erweitert und auf das ausgerichtet werden, was dem Leben in seiner natürlichen Vielfalt dient. Dabei sind jene Bewusstseinsebenen und Entwicklungsprozesse mit einzubeziehen, die über das gängige rationale Bewusstsein hinausgehen und die eine wachsende Zahl von Menschen bereits im Begriff sind zu ergründen.

Vordringlich gilt es, das materialistische, kartesianische Weltbild zu überwinden und es in die zeitgenössischen Erkenntnisse und Konzepte der Quantenwissenschaften zu integrieren. Die Einsicht, dass alles mit allem verbunden und über Raum und Zeit hinweg ineinander verwoben ist,

führt zur Aufhebung und Heilung von Trennungen, welche die rationale Bewusstseinsstufe zwangsläufig mit sich gebracht hat: der Trennung von Subjekt und Objekt, von Innen- und Aussenwelt, von Geist und Materie, von Geistes- und Naturwissenschaften, von Spiritualität und Wissenschaft, von Individuum und Gemeinschaft, von Mensch und Natur.

Eine zentrale Rolle kommt hierbei öffentlichen Forschungsmitteln zu, die gezielt auf jene Projekte der Grundlagen- und anwendungsorientierten Forschung konzentriert werden müssen, welche der Lösung ökologischer und sozialer Probleme sowie der Bewusstseinstransformation und Erweiterung dienen. Die öffentliche Forschung muss generell hohen ethischen Standards genügen. Umgekehrt gilt es, der gewinnorientierten, oft kurzsichtigen Forschungsmacht der Wirtschaft Grenzen zu setzen.

 

7. Gesundheit und Gesundheitswesen

Ein integrales Gesundheitsbewusstsein schliesst auch Krankheit als Gegenpol zur Gesundheit mit ein. Gesundheit und Krankheit sind nicht zwei voneinander getrennte Befindlichkeiten, sondern bedingen einander gegenseitig und bilden ein subtiles Gleichgewicht, das idealerweise nahe beim Pol der Gesundheit liegt. Krankheiten ihrerseits können dazu dienen, die körperliche Gesundheit

und die Selbstheilkräfte zu stärken, oder aber sie beinhalten und ermöglichen wichtige emotionale, mentale und spirituelle Lernprozesse. Sie können den Menschen – im Sinn einer Herausforderung – wieder in eine neue innere Ausgeglichenheit führen.

In einem integralen Gesundheitswesen kommt der Schulung und Förderung des

Gesundheitsbewusstseins in allen Gesellschaftsbereichen und Lebensaltern zentrale Bedeutung zu. Es setzt eine sinnvolle Kombination von Solidarität und Eigenverantwortung auf der Basis möglichst hoher Freiheitsgrade in der Wahl der Heilmethoden voraus.

Darüber hinaus bedingt ein integrales Gesundheitswesen den aktiven Miteinbezug der Patientinnen und Patienten und ihrer Selbstheilkräfte in den Heilungsprozess. Dies kann am besten gewährleistet werden, wenn vielfältige komplementär- und schulmedizinische Methoden im Sinne einer integralen Medizin in sinnvoll abgestufter Weise miteinander kombiniert werden.


8. Friedensförderung und Sicherheitspolitik

Integrale Politik geht davon aus, dass die Menschen, wie auch die Schöpfung als Ganzes, Manifestationen des einen, unfassbaren Urgrundes sind.

Letztliche Ursache aller Gewalt und aller kriegerischen Geschehnisse ist die fehlende Bewusstheit unserer Zusammengehörigkeit: In aller Unterschiedlichkeit sind wir eine Familie. Wir erkennen uns daher in den anderen Menschen als Teil des Einen wieder. Das lässt uns Feindschaft überwinden und uns für die Würde und Unversehrtheit jedes Menschen und der ganzen Natur eintreten. Das

jetzt noch vorherrschende Gefühl der Entfremdung und der Getrenntheit bringt Angst, Gewalt und Unrecht hervor.

Wir sind trotz allem der Ansicht, dass der Mensch in Zukunft von Unterdrückung absehen und Konflikte im friedlichen Dialog lösen können wird. Darauf wollen wir hinarbeiten:

• Jeder Mensch muss seine persönlichen Verletzungen durchleuchten, verarbeiten und versöhnen, also integrieren und transformieren, um ein zufriedenes und kraftvolles Wesen zu sein.

• Das Thema der inneren Zufriedenheit, des Schattens und friedfertiger Konfliktlösung gehört in

alle Schulprogramme, auf allen Stufen.

• Wir streben eine Kultur des Teilens, der Solidarität, der Achtung und Würde des Menschen an. Friedenspolitik beinhaltet aktive Solidarität mit den Vergessenen, Marginalisierten und Verstummten. Wir stehen ein für die Durchsetzung der Menschenrechte auf nationaler und internationaler Ebene, für eine gerechte globale Wirtschaftspolitik, die allen Völkern und Menschen auf allen Kontinenten die Grundausstattung zu einem menschenwürdigen Leben ermöglicht.

• Friedensförderung ist der Kern unserer Sicherheitspolitik. Frieden auf kollektiver Ebene bedeutet Gerechtigkeit in der Verteilung der Güter sowie der Freiheit und der Chancengleichheit aller zur persönlichen Entfaltung.

• Sorgfältig aufgebauter gewaltfreier Widerstand und entsprechende Aktionen sind in Zukunft auch die Mittel zur Überwindung grosser Ungerechtigkeiten und Konflikte.

• Wir setzten uns dafür ein, dass die Armeen nach und nach durch konstruktive Friedensförderung und Prävention sowie durch die Bereitschaft und Fähigkeit zur gewaltfreien Konfliktlösung ersetzt werden. Zurzeit ist uns wichtig, dass in den möglichst kleinen Armeen auch die gewaltfreie Intervention eingeübt wird.

• Die Schweiz stellt dem UNO-Friedens-Corps psychologisch gut ausgebildete Friedenstruppen zur Verfügung. Die UNO-Friedenstruppen dienen der Trennung von Kriegsparteien – zur Verhinderung von Völkermord und Massakern und zum Schutz der Zivilbevölkerung.

 

9. Binnenleben und Kultur der Integralen Politik

Was wir vertreten, wollen wir selber leben. Nur so wird das, wofür wir in unseren Grundlagen einstehen, kraftvoll und glaubhaft wirken.

Die Entwicklung und Pflege der Spiritualität in vielfältiger Form und die gemeinsame Erfahrung der Stille sind uns ein Kern-Anliegen. Daraus entsteht ein achtsamer, präsenter und wohlwollender Umgang miteinander:

• Wir pflegen eine bewusste Gesprächs- und Streitkultur. In allen meinungs-bildenden Prozessen führen wir uns vor Augen, dass sämtliche Aspekte, die wir besprechen, Teile des grossen Ganzen sind.

• Wir versuchen, so bewusst wie möglich zu sprechen, zuzuhören, wahrzunehmen und zu handeln. Daraus entstehen ein wohlwollendes Klima, Klarheit und die Bereitschaft, Konflikte auszutragen.

• Unsere politische Arbeit gestalten wir in einer alle Sinne ansprechenden Kultur. So wird politisches Engagement auch ein Weg der Sinnfindung und eine Weise, Freude und Leichtigkeit auszudrücken und das Leben zu feiern.

• So wie wir an unserer eigenen Ganzwerdung arbeiten, entwickeln wir im Bereich unserer Möglichkeiten auch neue Formen zur Förderung der Transformation auf der kollektiven Ebene von Gruppen und der Gesellschaft.

• Unsere integrale Aufbruchbewegung soll auch zwischen den grossen Zusammenkünften lebendig sein. Neben der Arbeit in Arbeitsgruppen und in regionalen Gruppen treffen wir uns zu informellem, freundschaftlichem Zusammensein an festgelegten Orten wie zum Beispiel in einer „Stammbeiz“.

• Um uns als Einzelne weiter zu entwickeln und den Ansprüchen immer mehr gerecht zu werden, die wir an uns selbst als integrale politische Kraft stellen, entwickeln wir ein breites internes Weiterbildungsangebot.

• Wir vernetzen uns langfristig und entsprechend unseren Kräften mit nationalen und internationalen Gruppen und Netzwerken, die ähnliches Gedankengut haben und sich für gleichartige Anliegen einsetzen.

Quelle:                                               http://www.integrale-politik.ch/online/index.php





Mehr zur Integralen Politik

Ein spiritueller Dritter Weg

Gregory Wilpert

In einer Zeit des politischen Umbruchs, in der alte Ideologien wie Rechts und Links, Sozialismus, Liberalismus und Konservatismus die politische Vorstellungskraft nicht mehr in dem Maße fesseln, wie sie es einst taten, brauchen wir neue politische Visionen. Einige haben versucht, einen „dritten Weg" zwischen Sozialdemokratie und Konservatismus zu formulieren. Im Folgenden möchte ich die Vision einer Integralen Politik vorstellen, die auf der Grundlage der Arbeit von Ken Wilber beruht. Was ist ein dritter Weg?

Historisch gesehen tauchten dritte Wege meistens dann auf wenn die existierenden (meistens zwei) dominanten politischen Ideologien als unzureichend angesehen wurden. Im 19. Jahrhundert war Sozialismus ursprünglich gedacht als dritter Weg zwischen Konservatismus und klassischem Liberalismus. Später, im 20. Jahrhundert, entwickelte sich die Sozialdemokratie als dritter Weg zwischen Sozialismus und Konservatismus/Liberalismus/Kapitalismus. Es erstaunt nicht, dass heute einige Politiker und Theoretiker, wie das Bill Clinton, Gerhard Schröder, und Tony Blair, nun ihrerseits einen dritten Weg vorgeschlagen haben zwischen Sozialdemokratie und neo-liberalen Programmen. Statt jedoch die existierenden Glaubenssysteme zu transzendieren, enden neue Programme oft in der ideologischen Mitte zwischen den beiden dominanten Ideologien. Ein solcher „zentristischer" dritter Weg ist mehr ein Kompromiss als ein neue politische Theorie welche die alten Theorien transzendiert in dem sie nachhaltige Antworten vorschlägt für ungelöste soziale Probleme.                   

Lesen Sie den ganzen interessanten Artikel auf:                                                 http://www.integralworld.net/de/wilpert_de.html





Sieben Schritte zum Aufwachen 

Christian Meyer

Das Aufwachen ist jetzt möglich, in diesem Leben

Immer mehr Menschen erfahren diese grundlegende Transformation, die „Erleuchtung“ oder „Aufwachen“ genannt wird. Es scheint so zu sein, dass es früher eher die Pioniere der Menschheit waren, die aufwachten oder Erleuchtung fanden und dass es heute, aus welchen Gründen auch immer, jedem möglich ist, aufzuwachen. Inzwischen verbindet sich jahrhundertealtes spirituelles Wissen mit den Erkenntnissen und Erfahrungen der Psychologie, sodass das Wissen über die Bedingungen dieser Transformation anwächst. Dennoch werden von den einzelnen Lehrern, die auch verschiedene Wege vertreten, immer nur einzelne Momente hervorgehoben. Die folgenden „Sieben Schritte zum Aufwachen“ sind die Quintessenz aller spirituellen Wege, die der Form nach verschieden, doch eigentlich nur ein einziger Weg sind.

Es gibt ganz offensichtlich einen Prozess, der zum Aufwachen führt. Es scheint eine Bewegung dahin zu geben, dass jeder, der sich dem inneren Prozess zuwendet, beginnt oder bereits begonnen hat, Erfahrungen von Stille und Leere zu machen, die er vorher nicht kannte.

Viele sagen, dass es ihnen leichter fällt, diese innere Stille und die Stille des Verstandes zu erleben, wenn sie in der Anwesenheit eines Lehrers und einer unterstützenden Gruppe sind. Diese Erfahrungen nehmen zu. Du wirst innerlich stiller, Du wendest dich mehr dem Strom des Lebens zu und weniger den Gedanken und dem Lärm im Kopf. Du bist in der Lage, mehr Gefühle zu erfahren und zu tragen.

Das ist ein Prozess und dennoch ist das Aufwachen selbst dann ein plötzlicher Moment. In diesem Moment des Aufwachens fällst Du in das Bodenlose und danach ist nichts mehr so ist wie es vorher war.

Was dabei geschieht ist offensichtlich eine tiefgreifende Veränderung der ganzen seelischen Struktur. Die ganzen Vorstellungen, Phantasien und Wahrnehmungsbezüge verändern sich. Es gibt plötzlich kein Zentrum mehr, kein Ich mehr, auf das alle Wahrnehmungen bezogen wären.

Das hat zur Folge, dass der Verstand zu einem großen Teil der Zeit vollkommen still ist. Und wenn der Verstand still ist – wenn er ganz still ist – dann erfährst Du das, was immer da ist: Frieden, Stille, Glückseligkeit. Du erfährst eine Glückseligkeit, die nicht so sehr einem Sturzbach ähnelt, sondern mehr einem Ozean, und gleichzeitig einem exstatischen Feuerwerk, einem Feuerwerk ohne Anfang und ohne ein Ende.

Auch nach dem Aufwachen gibt es einen Prozess. Das Aufwachen ist ein Ende und ein Anfang. Nach dem Aufwachen gibt es einen Prozess der Vertiefung. Es ist auf das gleiche zu achten wie vor dem Aufwachen. Wenn man sich dieser Vertiefung öffnet, geschieht der weitere Prozess dann in einer großen Geschwindigkeit.

Es kann auch passieren, dass jemand nach dem Aufwachen nach einiger Zeit wieder einschläft und die bekannte Struktur wieder aktiviert. Dann ist für ihn das Aufwachen nur eine vorübergehende Erfahrung gewesen, über die er am Lagerfeuer berichten kann.

Viele bewegt die grundlegende Frage, ob etwas getan werden kann, um diesen Prozess zum Aufwachen zu unterstützen oder zu beschleunigen. Kannst Du etwas tun?

Erfahrungen aus der Arbeit mit Menschen, Erkenntnisse aus eigenen Forschungen, das persönliche Wissen und die Erfahrung des Aufwachens haben mich erkennen lassen, dass es einige Aspekte gibt, die es zu beachten lohnt. Diese Aspekte lassen sich in sieben grundlegenden Schritten darstellen und zusammenfassen. Diese sieben Aspekte genau zu untersuchen ist hilfreich, um der Wahrheit näher zu kommen, um Frieden und Freiheit zu erfahren. Die sieben Schritte zu durchlaufen kann den Prozess, der zum Aufwachen führt, hilfreich unterstützen und verstärken. Es sind Schritte des Loslassens, nicht des Tuns. Es ist jenseits des Tuns und des Nicht-Tuns. Du öffnest Dich für die Gnade, aber Du bist nicht derjenige, der ein Aufwachen „machen“ könnte.

Verschiedene Lehrer haben einzelne dieser Schritte hervorgehoben. Der Nutzen dieser „Sieben Schritte“ liegt vor allem darin, dass jeder Suchende genauer entdecken kann, wo seine eigenen Hindernisse auf dem Weg, der kein Weg ist, liegen. Der eine ist vielleicht in seinem Körper noch zu blockiert, der andere hat es noch schwer, sich mit der Vergangenheit auszusöhnen, der dritte hat vielleicht Schwierigkeiten, die Gefühle und inneren Erfahrungen wahrzunehmen, die jenseits der Körperempfindungen sind. Der erste Schritt: Der bedingungslose Wunsch nach FreiheitDie Wünsche und Ziele erkennen

Der erste Schritt besteht darin, dir immer wieder Rechenschaft abzugeben über deine Wünsche und Ziele. Anhand einiger Fragen kannst Du diese erforschen:

Was will ich?

Was ist mir wirklich wichtig?

Worin besteht der Sinn meines Lebens?

Was wäre so wichtig, dass ich dafür mein Leben einsetzen würde?

Lesen Sie den ganzen, höchst Interessanten Artikel auf:                                            http://if.integralesforum.org/Christian-Meyer-Sieben-Schritte-zum-Aufwachen.523.0.html