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Biokraftstoffe, sind generell gesehen eine gute Sache, solange wir sie aus: Kompostieranlagen, Abfällen, Fäkaliengruben, Altöl aus Küchen ect. und maximal aus Plantagen, die nicht künstlich bewässert werden müssen und zudem auf trockenen, sandigen Böden in Permakulturen gedeihen, beziehen.                              

Biokraftstoffe dürfen nur zur Energiegewinnung, nicht aber für Motoren-kraftstoffe verwendet werden.

Eine echte Reduktion der Emissionen findet nur statt, wenn wir die Notwendigkeit erkennen, den Verbrauch zu drosseln und unsere Ansprüche endlich etwas zurück zu schrauben! Entgegen dieser einfachen Logik, verbreiten Politik wie Medien, den Wirtschaftswachstum als alleinige Möglichkeit, den Herausforderungen zu begegnen.

Dass zusätzlich Tragische an der Geschichte ist, dass das Ganze heuchlerisch mit dem Ziel des Umweltschutzes verbunden wird, dies - wie könnte es auch anderst sein -natürlich Gewinn bringend!

Um in Zukunft die unsäglichen Offroader und "Statussymbole" weiterfahren zu können, ganz geschweige die idiotische Kriegsmaschinerie anzutreiben, holzen wir lebenserhaltende Regenwälder ab, um aufwendigste Monokulturen anzusiedeln.

Dabei ächten wir den Hanf, auf Grund einer misslichen Drogenpolitik mit Ursprung USA (woher auch sonst), der in Permakulturen eingesetzt, andere Pflanzen noch fördern, wie auch zusätzlich wertvolle Fasern liefern würde! Abgesehen von der optimalen Photosynthese liefert der Hanf wertvollste Rohstoffe für verschiedenste Einsatzmöglichkeiten. Er spendet Schatten in heissen Gebieten, welcher von Humus bildenden und Feuchtigkeit speichernden Pflanzen genützt werden kann.

Siehe auch interessante Links zum Thema Hanf unter:

http://www.broeckers.com/hanffeld.htm  

http://www.hempplastic.com/newSite/index.htm 

http://www.hempro.com/




Um des Status und Geldes wegen, verarbeiten wir Lebenmittel wie Mais und Korn und fördern damit den Welthunger zusätzlich.          

Dazu benötigen wir tausende Tonnen von Pestiziden, Millionen von Litern Wasser und zusätzliche Energie um es zu verarbeiten. Die Böden werden ausgelaugt und durch Düngung und Pestizide vergiftet und unbrauchbar gemacht!

Braucht es hier noch weitere Erklärungen?

Humans Hope    




Klimaschutz

Milchmädchenrechnung Biokraftstoff

Jetzt ist es sozusagen amtlich: Die Erzeugung von Biokraftstoffen ist so, wie sie heute stattfindet, weder nachhaltig noch taugt sie zum Klimaschutz.Von FOCUS-Redakteur Michael Odenwald Biodiesel wird hauptsächlich aus Raps gewonnenDie Beimischung von Biokraftstoffen zu Benzin oder Diesel solle deshalb nicht länger gefördert werden, auch seien die Beimischungsquoten zu reduzieren (5,25 Prozent Bioethanol im Benzin ab 2009, Biodiesel kann schon heute zu fünf Prozent fossil erzeugtem Diesel beigemischt werden). Dies erklärt der „Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“ (WBGU) in seinem soeben vorgelegten Gutachten zum Thema „Zukunftsfähige Bioenergie und nachhaltige Landnutzung“. 

Andererseits, so der WBGU, seien die „weltweit vorhandenen nachhaltigen Potenziale zur Gewinnung von Bioenergie signifikant“ und sollten genutzt werden – aber nur, wenn eine Gefährdung der Ernährungssicherheit sowie von Natur- und Klimaschutzzielen auszuschließen sei. Der Spagat zwischen Tank und Teller sei durch eine Reihe gezielter Maßnahmen zu bewältigen. So sollte Bioenergie nicht in Form von Kraftstoffen aus einjährigen Pflanzen gewonnen werden – etwa Biodiesel aus Raps oder Bioethanol aus Mais. Dies könne dem Klima mehr schaden als nützen.

Lesen Sie den ganzen Artikel:

12750/klimaschutz-milchmaedchenrechnung-biokraftstoffaid353035.html





Nachwachsende Rohstoffe – eine gute Idee in falschen Händen?

von Walter Haefeker*

Der Klimawandel schreitet voran, und damit wächst der Druck, wirksame Massnahmen zur Reduktion von Treibhausgasen zu ergreifen. Statt weiter fossile Brennstoffe für die Energieerzeugung zu nutzen, soll daher zunehmend mit nachwachsenden Rohstoffen gearbeitet werden. Diese Entwicklung wird zurzeit in eine Richtung gesteuert, die vor allem die Imker mit grosser Sorge erfüllen muss. Alles deutet darauf hin, dass diese Klimapolitik sich auf Kollisionskurs mit den Bienen befindet.

Ursprünglich waren die nachwachsenden Rohstoffe eine gute Idee. Die Konzepte zur Nutzung von Biomasse und Pflanzenölen wurden zunächst von sogenannten «Öko-Spinnern» entwickelt und dezentral umgesetzt, um damit den eigenen Betrieb und zunehmend auch die Nachbarschaft mit Strom und Wärme zu versorgen.
Durch die Möglichkeit, mit Biogas erzeugten Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen oder steuerlich begünstigt Pflanzenöl als Kraftstoff zu verwenden, wurden diese Ideen nicht nur ökologisch, sondern auch finan­ziell interessant. Die «Öko-Spinner» wurden durch Investoren, die in immer grösseren Dimensionen ihre Konzepte umsetzten, in den Hintergrund gedrängt. Damit rückten grossflächige Monokulturen, auf denen unter Einsatz intensivster Bewirtschaftungsmethoden mit ihren uns bekannten Auswirkungen für die Bienen Energiepflanzen für immer grösser dimensionierte Anlagen angebaut werden, in den Vordergrund. Inzwischen haben Grosskonzerne in den Bereichen Energie, Chemie und Automobilbau dieses Thema für sich entdeckt und bestimmen die politischen Weichenstellungen. Wenn der Gesetzgeber unter der Überschrift: «Wir bekämpfen den Klimawandel», die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür schafft, werden die nachwachsenden Rohstoffe ein Erfolgskonzept für Grosskonzerne:
•    Der Kampf gegen den Klimawandel ermöglicht den Zugriff auf staatliche Subventionen und Fördergelder.
•    Durch den Umstieg von fossilen auf nachwachsende Energiequellen ist scheinbar kein grundsätzliches Umdenken erforderlich.
•    Das konsumgetriebene Wirtschaftswachstum kann scheinbar unverändert weitergehen, ohne es vom Energieverbrauch zu entkoppeln.
•    Die Politik kann auf unpopuläre Mass­nahmen zur Senkung des Energieverbrauchs verzichten.
•    Die Automobilindustrie kann weiter ihre bekannte Modellpalette mit Verbrennungsmotoren vermarkten.
•    Biokraftstoffe scheinen gleichzeitig eine kurzfristig erreichbare Verbesserung der Energiesicherheit durch verringerte Abhängigkeit von Rohöl aus Krisenregionen zu bringen.
•    Durch eine Reduzierung der Nachfrage erhofft man sich auch eine Stabilisierung des Ölpreises.
Wie bei jedem Goldrausch werden aber nicht die Goldgräber, sondern die Ausrüster und Händler das grosse Geld machen.
Gross im Geschäft sind Agro-, Biotech- und Chemieindustrie sowie die Raffinerie- und Kraftstoffindustrie und der Welthandel mit nachwachsenden Rohstoffen wie Palmöl, Raps, Mais und Zuckerrohr.
Auch die grossen Stromversorger haben bereits genaue Vorstellungen, wie die ursprünglichen dezentralen Strukturen durch zu ihrem Geschäftsmodell passende Lösungen verdrängt werden können.
Ein besonders interessantes Betätigungsfeld als vermeintliche Klimaretter finden hier Firmen wie Bayer, BASF, Syngenta und vor allem Monsanto. Diese Hersteller von Pflanzenschutzmitteln und gentechnisch verändertem Saatgut sehen ihre Umsatzpotentiale immer wieder durch den Verbraucher gebremst. Bei Lebensmitteln ist der Einsatz von Pestiziden immer wieder in der Kritik, und die Agro-Gentechnik flog sofort wieder aus den Supermarktregalen.
Im Bereich der nachwachsenden Rohstoffe ist man guter Hoffnung, solche Probleme vermeiden zu können. Solange die Pflanzen nicht auf dem Teller des Verbrauchers landen, rechnet man mit weniger Widerstand gegen den Einsatz von Gentechnik und Pestiziden. Zudem kann die Politik dafür sorgen, dass der Verbraucher in der Entscheidungskette nicht mehr vorkommt.
Um besser zu verstehen, wie die Weichen bereits in diese Richtung gestellt wurden und welche Rolle der Agro-Gentechnik dabei zukommt, sollten wir uns an den 4. September 2005 zurückerinnern.
An diesem Tag fand das Fernsehduell zwischen dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und der Kanzlerkandidatin der Union, Angela Merkel, vor der Bundestagswahl statt:
Merkel: «Sie gestatten sicherlich noch einen abschliessenden Satz zu der Gentechnik ...» Moderator: «Nein, nein ...» Merkel: «Doch, das muss ich machen, um einfach deutlich zu machen, Deutschland ist ein Chemiestandort. Und wir müssen es schaffen, gentechnisch veränderte, nachwachsende Rohstoffe nicht zum Konsum, zum Essen, sondern für die chemischen Reaktionen herzustellen. Die Bedingungen sind jetzt schlechter als in allen anderen europäischen Ländern, das ist die Wahrheit. Und deshalb wird Deutschland sich auf diesem Gebiet nicht so entwickeln, deshalb werden wir das auch ändern. Ich finde, das müssen die Zuschauerinnen und Zuschauer wissen. Das ist von der BASF bis zu anderen Chemieunternehmen eine ganz wichtige Sache.»
Nach der Wahl schritt das neue Bundeskabinett sofort zur Tat und beschloss bereits am 15. März 2006 die Zwangsbeimischung von «Bio»-Kraftstoffen zu Benzin und Diesel. Begründet wurde dieser Schritt mit der Aussage, dass nur so die «ehrgeizigen» Ziele beim Klimaschutz zu erreichen seien.
Als nächster Schritt wurden die Steuervorteile für reine Bio-Kraftstoffe unter dem Vorwand der Haushaltspolitik abgebaut.
Am 26. Februar dieses Jahres schrieb der Bundesverband Biogene und regenerative Kraft- und Treibstoffe (BBK) an die Bundesregierung:
«Mit Inkrafttreten der 2. Steuerstufe auf Biodiesel und Pflanzenöl am 1. Januar 2008 ist nunmehr der Absatzmarkt für deutschen Biodiesel und deutsches Pflanzenöl vollständig zusammengebrochen.
Biodiesel ist mit der derzeitigen Besteuerung von 15 ct/l und Pflanzenöl von 10 ct/l teurer als Diesel, und damit sind beide unverkäuflich. Etwa 85% der deutschen Biodieselproduktionskapazität von etwa 5 Mio. t steht still. Bei den vorgelagerten Pflanzenölpressen haben etwa 70% der Unternehmen aus steuerpolitischen Gründen ihren Betrieb einstellen müssen.»
Durch die Politik werden nun mittelständische Bio-Kraftstoffkonzepte gnadenlos zugunsten der Grossindustrie an die Wand gefahren. So wird ein wichtiges Etappenziel erreicht. Der Verbraucher kann sich nun im Gegensatz zum Bereich der Lebensmittel nicht gegen einen intensiven Einsatz von Pestiziden und Gentechnik bei der Erzeugung von angeblichen «Bio»-Kraftstoffen entscheiden.

Quelle: Imkerei-Technik-Magazin, 1/2008

*President European Professional Beekeepers Association, Member of the Board of Directors German Professional Beekeepers Association, Deutscher Berufs- und Erwerbsimkerbund e.V.

Lesen Sie den ganzen Artikel auf:

http://www.zeit-fragen.ch/ausgaben/2008/nr22-vom-2652008/nachwachsende-rohstoffe-eine-gute-idee-in-falschen-haenden/






Liebe Regenwaldaktive,

die EU will bis 2020 die Agrartreibstoff-Beimischungsquote auf 10 Prozent erhöhen. Dies bedroht vor allem die tropischen Wälder und ihre Bevölkerungen, weil diese Quote nur mit importierten, mittels umweltschädlicher Monokulturen erzeugten Agrartreibstoffen zu erreichen ist.
Sie können nun auf der Website der Europäischen Komission online ueber das Agrartreibstoffziel der EU abstimmen.

Zur Zeit liegt die Abstimmung bei 65% für die Beimischungsquote. Bitte stimmen Sie gegen die geplante Erhöhung des Biokraftstoffanteils auf 10 Prozent. Informieren Sie Ihre Freunde und Bekannte, gleichfalls mit "Nein" zu stimmen. Agro- oder Biotreibstoffe schützen leider weder unser Klima noch helfen sie den Menschen in den so genannten Entwicklungsländern.

Hier kommen Sie zu der Abstimmung:

 en.htm

Bitte leiten Sie diese Mail an möglichst viele Freunde und Bekannte weiter.

Mit freundlichen Grüßen und herzlichem Dank

Reinhard Behrend
Rettet den Regenwald e. V.
Friedhofsweg 28
22337 Hamburg
040 4103804
info@regenwald.org
www.regenwald.org





Erst der Teller, dann der Tank - Standards für Biotreibstoffe!

Die rasant steigende Nachfrage nach Biotreibstoffen lässt die Nahrungsmittelpreise in die Höhe schnellen und beschleunigt den Klimawandel, da riesige Regenwald-flächen abgerodet werden, um pflanzliche Energieträger anzubauen. Nur mit weltweiten Nachhaltigkeitsstandards können wir garantieren, dass Biotreibstoffe im Kampf gegen den Klimawandel nützlich sind.




Dieses Wochenende treffen sich die 20 größten Industriestaaten, die zusammen für mehr als 75% der Kohlendioxidemissionen verantwortlich sind, in China, Japan, um die G8 Klima-Gespräche zu beginnen. Zusammen senden wir ihnen eine dringende Botschaft zur Einrichtung von weltweiten Nachhaltigkeitsstandards für Biotreibstoffe:

Hier protestieren:

http://www.avaaz.org/de/biofuel_standards_now/

     




12 Fragen und Antworten zum Thema Biokraftstoffe

Seit einiger Zeit ist das Wort „Biokraftstoff“ in aller Munde. “Biokraftstoffe” werden als Retter der Energieprobleme der Menschheit und des Weltklimas beschworen. Firmen versprechen enorme Profite und Entwicklungsländern sollen sie den wirtschaftlichen Aufschwung bringen.

Sind nun goldene Zeiten angebrochen und ist das Weltklima gerettet? Können wir jetzt unbesorgt die Gaspedale in unseren Autos kräftig durchtreten?

Die Antwort ist ganz klar NEIN!

Elektrischer Strom und Heizwärme aus Palmöl sowie „Bioethanol“ und „Biodiesel“ für den Verkehr sind nichts anderes als Kahlschlag-Energie, Klimaschwindel und bedeuten Hunger für Millionen Menschen.

Nachfolgend Antworten auf einige brennende Fragen zu „Biokraftstoffen“:        

1. Was sind „Biokraftstoffe“?

Als “Biokraftstoffe“ werden gemeinhin aus nachwachsender pflanzlicher und tierischer Biomasse gewonnene Energieträger verstanden.
„Biokraftstoffe“ lassen sich in 4 Gruppen einteilen: Alkohole wie Ethanol, die z. B. aus Zuckerrohr, Mais und Getreide produziert werden. Pflanzenöle „Biodiesel“ aus Raps, Palmöl, Soja, Sonnenblume usw. Biogas aus organischer Materie einschließlich Ernteresten und Dung. Feste und flüssige Biomasse wie z.B. Pflanzenöle, Pflanzenfasern, Abfälle und Holzpellets, die in Reinform oder zusammen mit fossilen Energieträgern in kombinierten Wärme- und Elektrizitätskraftwerken eingesetzt werden.

2. Inwieweit betreffen „Biokraftstoffe“ mich?

„Biokraftstoffe“ sind mittlerweile weit verbreitet. Mit diesen werden PKW und Busse sowie Elektrizitätsgeneratoren angetrieben und Häuser beheizt. Die Europäische Union (EU) hat steigende Beimischungspflichten für fossilen Kraftstoff im Verkehr eingeführt. Aktuell sind es 2%, bis 2010 sollen es 5,75% und bis 2020 sogar 10% werden.
Weiterhin subventionieren die Bundesregierung und die EU die Produktion und den Einsatz von „Biokraftstoffen“ mit Steuergeldern. Nach einer Studie des Leipziger Instituts für Energetik und Umwelt werden deutsche Blockheizkraftwerke in 2007 mindestens 1,3 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Palmöl erzeugen. Dafür erhalten die Kraftwerksbetreiber rund 200 Millionen Euro Subventionen über das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), die auf die Stromrechnung aller Haushalte umgelegt werden.  

3. Sind „Biokraftstoffe“ biologisch, umweltfreundlich und nachhaltig?

Nein, ihr Anbau erfolgt auf agroindustriellen Monokulturen. Auf diesen werden große Mengen an synthetischen Düngemitteln und Agrargiften ein gesetzt. Mensch und Umwelt werden durch die Chemikalien belastet. Zunehmend werden gentechnisch veränderte Pflanzen verwendet. Diese beherbergen unabsehbare Gefahren für Mensch und Umwelt. Weiterhin droht in trockenen Gebieten wie z.B. dem mittleren Westen der USA das zur Bewässerung angezapfte Grundwasser zu versiegen, wodurch die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung gefährdet wird.

4. Sind „Biokraftstoffe“ klima- oder CO2neutral?

Nein, das ist unmöglich, das Gegenteil ist der Fall. Mit Tricks und unvollständigen Berechnungen werden „Biokraftstoffe“ von der Industrie und Politikern schön gerechnet. Doch in der Realität beschleunigen „Biokraftstoffe“ die Klimaerwärmung aus den folgenden Gründen:
Grundsätzlich gilt, dass das von Pflanzen beim Wachsen aus der Atmosphäre aufgenommene Kohlendioxid CO2 beim Verbrennen des „Biokraftstoffs“ wieder vollständig freigesetzt wird. Auf den zur „Biokraftstofferzeugung“ genutzten Flächen wuchsen vorher bereits Pflanzen, die ersetzt werden. Das in der Biomasse dieser Pflanzen gespeicherte CO2 wird dabei freigesetzt. Für Palmölplantagen werden z.B. in Südostasien Regen- und Torfwälder nieder gebrannt.

Die Waldzerstörung ist für etwa 18% der weltweiten Klima schädigenden Emissionen verantwortlich, die Landwirtschaft für weitere 14%. Jede auf ehemaligen Torfwaldflächen erzeugte Tonne Palmöl bedingt den Ausstoß von 10-30 Tonnen CO2. Die Regenwälder sind außerdem ein wichtiger Regulator des Weltklimas. Ihre
Zerstörung führt zu weiterer Erwärmung und Austrocknung. Überschreitet deren Rodung einen bestimmten Flächenanteil, kann schlagartig das gesamte biologische System zusammenbrechen einschließlich des Klimas.

Weiterhin werden für den Anbau der Pflanzen und bei der Produktion der „Biokraftstoffe“ große Mengen an fossilen Kraftstoffen für den Betrieb von Maschinen und Fahrzeugen, zum Pflügen der Äcker, Aussäen der Pflanzen, der Herstellung sowie dem Ausbringen von Düngemitteln und Agrargiften, Ernte, Transport, Lagerung, Auspressen, Destillieren, usw. eingesetzt. Düngemittel setzen große Mengen an Stickoxiden N2O frei. N2O ist ein fast 300-fach wirksameres Treibhausgas als CO2.

5. Können „Biokraftstoffe“ die drohende Energiekrise der Menschheit lösen?

Nein, auf keinen Fall. Pflanzen wandeln nur einen sehr geringen Teil der Sonnenenergie in Biomasse um. Das erklärt auch den enormen Flächenbedarf für „Biokraftstoffe“. Um den aktuellen Energiebedarf der Menschheit zu decken, müsste die gesamte Erdoberfläche mit Energiepflanzen bebaut werden. Durch den weltweit steigenden Energieverbrauch wird die Energiekrise verschärft.
Erdöl, Erdgas und Kohle sind fossile Biomasse von abgestorbenen Pflanzen und Tieren. In einem Jahrhundert hat die Menschheit einen erheblichen Teil der fossilen Energievorkommen in die Luft geblasen, die 700 Millionen Jahre zu ihrer Entstehung gebracht haben. Der Biologe Jeffrey Dukes hat errechnet, dass die jedes Jahr verbrannten fossilen Energieträger umgerechnet der Biomasse entsprechen, die weltweit in 400 Jahren auf der Erde und den Ozeanen heranwächst.

5b. Ist durch den Einsatz von „Biokraftstoffen“ das Einsparen von Energie nicht mehr notwendig?

Nein, unsere Energieversorgung bleibt weiterhin von fossilen Energieträgern abhängig. Obwohl bereits jetzt weltweit ganze Landstriche in „Biokraftstoffäcker“ umgewandelt wurden, beträgt ihr Anteil an der globalen Transportenergie gerade 1%. Auch wenn die Produktion von „Biokraftstoffen“ weiter gesteigert wird, können sie nur einen kleinen Teil der fossilen Energieträger ersetzen.
Damit dies überhaupt möglich ist, muss noch jahrzehntelang Forschung betrieben werden. Der effiziente Umgang mit Energie ist deshalb wichtiger denn je. Ölkonzerne und Industrie sind daran interessiert, dass die Verbraucher weiterhin viel Energie konsumieren. Sie verdienen sowohl an Kraftstoff aus fossilen als auch aus „nachwachsenden“ Quellen.

6. Helfen „Biokraftstoffe“ den armen Menschen in den Entwicklungsländern?

Nein, die meisten Bauern in den Entwicklungsländern besitzen nur kleine Landflächen. Die Produktion auf kleinen Flächen zur Deckung des Weltmarkts ist nicht rentabel. Auch für „Biokraftstoffe“ werden daher ganze Landstriche in industrielle Monokulturen umgewandelt. Das Geschäft machen Konzerne und Großgrundbesitzer.
Um die Plantagenflächen zu erweitern, wird an vielen Orten die ansässige Bevölkerung vertrieben und um ihr Land gebracht. Gewalt, schwere Menschenrechtsverletzungen und Verelendung sind die Folgen. Beispiele dafür sind die Palmölpflanzungen in Indonesien, Malaysia, Kolumbien und Ecuador oder der Sojaanbau in Brasilien, Argen
tinien und Paraguay. Ganze indigene Völker wurden schon an den Rand der Ausrottung gebracht.
Weiterhin sind die gezahlten Löhne meist sehr niedrig, die Arbeitsbedingungen schlecht und es bestehen keine langfristigen Arbeitsverträge. In Brasilien arbeiten 200.000 Menschen als Sklaven auf den Zuckerrohrfeldern.

7. „Biokraftstoffe“ brechen die Macht der Öl-, Elektrizitäts- und Autoindustrie?

Nein, diese Firmen sind längst auf den Zug aufgesprungen und stecken hinter dem aktuellen weltweiten Biokraftstoffboom. Es herrscht Goldgräberstimmung wie zu Rockefellers Zeiten. Eine neue unheilvolle Allianz von Politikern, internationalen Organisationen und Industriefirmen aus dem Öl-, Chemie-, Agro-, Gentechnik-und Automobilbereich hat sich gebildet: Dazu gehören u.a. Shell, BP, Chevron, ExxonMobil, Repsol-YPF, Petrobras, ADM, Cargill, Bunge, Bayer, DuPont, BASF, Monsanto, VW, General Motors, Ford.

8. „Biokraftstoffe“ haben keinen Einfluss auf die Produktion von Lebensmitteln?

Nein, das Gegenteil ist der Fall. Der „Biokraftstoffboom“ hat bereits zu einer weltweiten Verknappung und Verteuerung wichtiger Grundnahrungsmittel geführt. Arme Menschen können finanziell nicht mit Autos konkurrieren.
Weltweit gibt es 800 Millionen hungernde und 3,6 Milliarden unterhalb der Armutsgrenze lebende Menschen. Viele davon müssen mit 1 Euro pro Tag auskommen. Die armen Menschen in den Entwicklungsländern sind von Preiserhöhungen wesentlich härter betroffen als wir in den Industrieländern. Damit wir die Autotanks mit „Biokraftstoff“ füllen können, müssen andernorts Menschen (ver)hungern. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen muss bereits Lebensmittellieferungen in Hungergebiete reduzieren.
Das Getreide, dass umgewandelt in Ethanol zur Füllung des Tanks eines Oberklassewagens notwendig ist, kann einen Menschen während eines ganzen Jahres ernähren. Wenn der Wagen alle 2 Wochen betankt wird, könnten mit der dafür benötigten Getreidemenge umgerechnet 26 Personen während eines Jahres ernährt werden.
Beispielsweise in Mexiko haben sich die Preise für die Maistortilla, dem Hauptnahrungsmittel der armen Bevölkerung, innerhalb weniger Monate mehr als verdoppelt. Massendemonstrationen waren die Folge. Aber auch in der EU sind die Preise für z.B. pflanzliche Speisefette erheblich gestiegen.

9. Sind Palmölplantagen Wälder oder Aufforstungen?

Eine Palmölplantage ist eine industrielle Monokultur, eine biologische Wüste, die keinen Lebensraum für Tiere und Pflanzen bietet. Mit einem Wald ist diese absolut nicht vergleichbar.
Auch mit Aufforstung hat das nichts zu tun, da für Palmölplantagen Regenwälder und andere wichtige Ökosysteme gerodet und zerstört werden. Palmölplantagen als Aufforstung zu bezeichnen ist ein schäbiger Trick von Politikern und Industrie, um ahnungslose Verbraucher zu täuschen.

10. Was sind „Biokraftstoffe“ der zweiten Generation?

Namhafte Wissenschaftler und Forschungsinstitutionen haben nachgewiesen, dass die Energiebilanz der heutigen „Biokraftstoffe“ sehr schlecht ist. Unter Umständen muss mehr Energie hinein
gesteckt werden, als am Ende herauskommt. Ermöglicht wird das durch staatliche Subventionen.
Firmen und Forscher versuchen nun, die Ausbeute und Energieeffizienz von Pflanzen und Verfahren zur „Biokraftstofferzeugung“ zu optimieren und patentieren zu lassen. Auf diese Weise soll auf der gleichen Fläche und aus der gleichen Menge Biomasse mehr „Biokraftstoff“ hergestellt werden.
Bisher werden „Biokraftstoffe“ aus pflanzlichen Zuckern und Ölen hergestellt. Diese Inhaltsstoffe machen aber nur einen kleinen Teil der pflanzlichen Biomasse aus. Der größte Teil ist Zellulose und Lignin. Zukünftig soll Ethanol aus der Zellulose von Pflanzenstengeln und Holz erzeugt werden. Eine große Rolle wird hierbei risikoreichen genetischen Manipulationen von Bäumen, anderen Pflanzen und Mikroben zugedacht.
Ob und wann dies gelingt, ist völlig ungewiss. Bisher ist das reine Zukunftsmusik. Der Steigerung der Energieeffizienz sind technische, physikalische und biologische Grenzen gesetzt. Die angestrebte Nutzung sämtlicher Biomasse für „Biokraftstoffe“ hätte die Ausdehnung der Produktion auf die verbliebenen Ökosysteme und fruchtbaren Böden zur Folge.

11. Gibt es von unabhängiger Seite zertifizierte „Biokraftstoffe“?

Nein, zwar haben einige versucht, über so genannte Runde Tische zu Vereinbarungen zwischen der Biokraftstoffindustrie und den Plantagenbesitzern zu kommen, aber mehr als schöne Worte und Absichtsbekundungen konnten nicht erzielt werden.
In der Praxis wäre die Zertifizierung auch eine Täuschung, denn die Biokraftstoffproduktion ist als intensive industrielle Landwirtschaft mit schwerwiegenden sozialen und ökologischen Problemen behaftet. Dazu gehören die Vertreibung von Kleinbauern, der Einsatz von großen Mengen an Düngemitteln und Agrargiften sowie die Erweiterung der Anbauflächen auf Kosten der Lebensmittelproduktion und von Regenwäldern.
Der Energiemenge, die aus der Biosphäre gewonnen werden kann, ohne gravierende Umweltschäden zu verursachen, sind natürliche Grenzen gesetzt. Die Zertifizierung kann diese Grenzen nicht beseitigen und die Ausweitung Anbauflächen zur „Biokraftstoffproduktion“ nicht verhindern.

12. Warum wird dann so viel über „Biokraftstoffe“ geredet?

Die Energieversorgung ist von strategischer Wichtigkeit. Bisher wurden fossile Energieträger wie Erdöl, Erdgas und Kohle abgebaut, doch deren Vorkommen sind begrenzt und die Erschließung der Lagerstätten mit ständig steigenden Kosten verbunden. Jetzt sollen zusätzlich „Biokraftstoffe“ auf Feldern angebaut werden. „Biokraftstoffe“ sind Big Business.
Eine besondere Rolle sollen hierbei die tropischen und subtropischen Entwicklungsländer haben. Ganzjährig hohe Temperaturen und Sonneneinstrahlung ermöglichen große Erntemengen. Patentierte gentechnisch veränderte Pflanzen sorgen für Monopole. Der Kauf von billigen Landflächen, niedrige Arbeitslöhne und fehlende Gesetze oder deren unzureichende Anwendung zum Schutz von Mensch und Umwelt garantieren phantastische Gewinne.

Politiker, internationale Organisationen und Firmen schmieden bereits weltweite strategische „Biokraftstoffallianzen“. Sie bieten die Möglichkeit, an dem bestehenden Wirtschafts-und Herrschaftssystem nichts zu ändern. Fossile Energieträger sollen durch „Biokraftstoffe“ ersetzt und so wie bisher die natürlichen Ressourcen rücksichtslos ausgebeutet sowie Energie verschwendet werden. Auf Kosten von Mensch und Umwelt.

Es ist ein Skandal, dass die Bundesregierung den deutschen Kraftwerksbetreibern diesen Umwelt-und Sozialfrevel auch noch über das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) vergolden lässt. Ein sofortiger Stopp dieser Politik und ein Moratorium für „Biokraftstoffe“ sind notwendig. Was kann ich selber tun?

Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig:
Aufklärung und Protest: Das Infoblatt kopieren und an Freunde und Bekannte weitergeben, Diskussionen zum Thema „Biokraftstoff“ anregen oder organisieren, die Öffentlichkeit über die Probleme informieren, an Politiker und Firmen schreiben und fordern, dass sie keine Gesetze zum Einsatz von „Biokraftstoffen“ vorschreiben, diese subventionieren und Heiz- und Elektrizitätskraftwerke damit betreiben, betroffene Menschen in Entwicklungsländern unterstützen, an den Aktionen von Rettet den Regenwald teilnehmen.

Den Lebensstil ändern und sparsam und effizient mit Energie umgehen:
Möglichst das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen, sofern notwendig sparsame Kleinwagen anstatt Sprit fressende Gelände- und Sportwagen kaufen, auf unnötige Fahrten und Flüge verzichten, die Heizungstemperatur in der Wohnung runterdrehen, Wohnungen gegen Wärmeverluste dämmen, bei notwendigen Neuanschaffungen Energiespargeräte kaufen und Geräte nicht im Standby-Betrieb laufen lassen, Rohstoffe einsparen und ins Recycling geben.

Auf umweltfreundliche Energiequellen wie Wind und Solarenergie umsteigen: Den elektrischen Strom von Ökoanbietern beziehen, die Strom aus Wind- oder Solarenergie anbieten. 

Quelle:

www.regenwald.org

         



Simone Humml (dpa) 8.2.2008 0:00 Uhr

Zu diesem Ergebnis kommen drei Studien hervor, die in den Journalen „Science“ (online vorab veröffentlicht) und „Atmospheric Chemistry and Physics“ veröffentlich werden. Für Biosprit wird Tropenwald zerstört und in Agrarland umgewandelt.

Zudem setzt Dünger nach Auskunft des Chemie-Nobelpreisträgers Paul Crutzen vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz wesentlich mehr des Treibhausgases Lachgas frei als bislang gedacht. Lediglich Kraftstoffe aus Abfällen in Land- und Forstwirtschaft oder aus Gräsern mit weniger Düngereinsatz haben demnach eine gute Klimabilanz.

Durch die Brandrodung in Indonesien entstehe mehr als 400 Mal so viel Kohlendioxid wie mit Hilfe von Palmöl auf derselben Fläche pro Jahr gespart werden könne, berichtet Hauptautor Joe Fargione von der Umweltorganisation The Nature Conservancy in „Science“.

Brasilianischer Regenwald, der in Sojaplantagen umgewandelt wird, setze 300 Mal mehr Kohlendioxid frei als der Biosprit pro Jahr spare.

Ein Team um Timothy Searchinger von der Universität Princeton berechnete in einer „Science“-Studie, dass die Produktion von Ethanol aus Mais den Ausstoß der Treibhausgase für 167 Jahre erhöht, wenn dafür eigens Land umgewandelt wurde.

„Wenn man die globale Erwärmung bremsen möchte, hat es schlicht keinen Sinn, Land für Biosprit umzuwandeln“, sagt Fargione in eine Mitteilung seiner Universität. Und er verweist noch auf die mögliche Knappheit von Nahrungsmitteln. „Die weltweite Landwirtschaft produziert derzeit Nahrung für sechs Milliarden Menschen.“

Für die Produktion von Biosprit wäre es nötig, noch mehr Land in Agrarflächen umzuwandeln. Südafrika verschob kürzlich die geplante Biosprit-Produktion aus Mais, weil die Pflanze Grundnahrungsmittel besonders für arme Familien in dem Land ist.

Nach Angaben des Max-Planck-Forschers Crutzen setzt der benötigte Pflanzendünger drei bis fünf Mal mehr Lachgas frei, als der Weltklimarat IPCC bislang angenommen hat („Atmospheric Chemistry and Physics“, Band 8, Seite 389).

Das stickstoffhaltige Lachgas erwärmt die Atmosphäre 300 Mal so stark wie Kohlendioxid. Biodiesel aus Raps sei schon aus diesem Grund 1 bis 1,7 Mal klimaschädlicher als normaler Treibstoff, Bioethanol aus Mais bis zu 1,5 Mal. 80 Prozent des weltweiten Biodiesels werde aus Raps produziert.

Nur Zuckerrohr kommt günstiger weg, da es nicht oder wenig gedüngt werde. Nach Ansicht von Searchinger darf dafür jedoch kein zusätzlicher Regenwald gerodet werden.

„Ich bin nicht generell gegen Biosprit, sondern nur dagegen, wie er momentan angewendet wird“, sagt Crutzen. Er forderte eine umfassende, kritische Treibhausgas-Bilanz für jeden Biokraftstoff.

Der Nobelpreisträger hatte seine Studie bereits im September im Internet zur Diskussion gestellt. Ende Januar wurde sie nun ohne bedeutende Veränderung gedruckt.

Die Bundesregierung arbeite „mit Hochdruck“ an einer Verordnung, die Klimabilanz und Naturverbrauch der Biokraftstoffe berücksichtigen soll, teilen Umwelt- und Landwirtschaftministerium in der „Roadmap Biokraftstoffe“ mit.

Große Hoffnungen setzen Politiker und Forscher auf Biokraftstoffe der zweiten Generation, die eine besonders gute Klimabilanz haben.

Für diesen Sprit können alle Pflanzenteile und damit auch Holzabfall genutzt werden. Holz wird in dem BtL-Verfahren (Biomass to Liquid/Biomasse zu Flüssigkeit) etwa erst in Gas umgewandelt und dann zu Ethanol verarbeitet.

Die weltweit erste kommerzielle Anlage für die Produktion von BtL- Kraftstoffen werde bis Sommer im sächsischen Freiberg fertiggestellt sein, sagt die Sprecherin der Choren Industries GmbH, Ines Bilas. Sie soll pro Jahr 15 000 Tonnen Biokraftstoff der 2. Generation herstellen. Eine weitere Anlage mit einem Biomasseverwertung von einer Million Tonnen pro Jahr hat das Unternehmen schon geplant.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 08.02.2008)

Quelle:

http://www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/Biokraftstoffe 

Klimawandel;art304,2472289

        




Biodiesel heizt Klimawandel an

Die Produktion von Biosprit kann den Klimawandel in vielen Fällen drastisch beschleunigen. Denn allein durch das Anpflanzen von Mais, Raps oder Palmöl entstehen oft mehr Treibhausgase als durch die daraus gewonnenen Biokraftstoffe eingespart werden.
Zu diesem Ergebnis kommen drei Studien hervor, die in den Journalen „Science“ (online vorab veröffentlicht) und „Atmospheric Chemistry and Physics“ veröffentlich werden. Für Biosprit wird Tropenwald zerstört und in Agrarland umgewandelt.

Zudem setzt Dünger nach Auskunft des Chemie-Nobelpreisträgers Paul Crutzen vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz wesentlich mehr des Treibhausgases Lachgas frei als bislang gedacht. Lediglich Kraftstoffe aus Abfällen in Land- und Forstwirtschaft oder aus Gräsern mit weniger Düngereinsatz haben demnach eine gute Klimabilanz.

Durch die Brandrodung in Indonesien entstehe mehr als 400 Mal so viel Kohlendioxid wie mit Hilfe von Palmöl auf derselben Fläche pro Jahr gespart werden könne, berichtet Hauptautor Joe Fargione von der Umweltorganisation The Nature Conservancy in „Science“.

Brasilianischer Regenwald, der in Sojaplantagen umgewandelt wird, setze 300 Mal mehr Kohlendioxid frei als der Biosprit pro Jahr spare.

Ein Team um Timothy Searchinger von der Universität Princeton berechnete in einer „Science“-Studie, dass die Produktion von Ethanol aus Mais den Ausstoß der Treibhausgase für 167 Jahre erhöht, wenn dafür eigens Land umgewandelt wurde.

„Wenn man die globale Erwärmung bremsen möchte, hat es schlicht keinen Sinn, Land für Biosprit umzuwandeln“, sagt Fargione in eine Mitteilung seiner Universität. Und er verweist noch auf die mögliche Knappheit von Nahrungsmitteln. „Die weltweite Landwirtschaft produziert derzeit Nahrung für sechs Milliarden Menschen.“

Für die Produktion von Biosprit wäre es nötig, noch mehr Land in Agrarflächen umzuwandeln. Südafrika verschob kürzlich die geplante Biosprit-Produktion aus Mais, weil die Pflanze Grundnahrungsmittel besonders für arme Familien in dem Land ist.

Nach Angaben des Max-Planck-Forschers Crutzen setzt der benötigte Pflanzendünger drei bis fünf Mal mehr Lachgas frei, als der Weltklimarat IPCC bislang angenommen hat („Atmospheric Chemistry and Physics“, Band 8, Seite 389).

Das stickstoffhaltige Lachgas erwärmt die Atmosphäre 300 Mal so stark wie Kohlendioxid. Biodiesel aus Raps sei schon aus diesem Grund 1 bis 1,7 Mal klimaschädlicher als normaler Treibstoff, Bioethanol aus Mais bis zu 1,5 Mal. 80 Prozent des weltweiten Biodiesels werde aus Raps produziert.

Nur Zuckerrohr kommt günstiger weg, da es nicht oder wenig gedüngt werde. Nach Ansicht von Searchinger darf dafür jedoch kein zusätzlicher Regenwald gerodet werden.

„Ich bin nicht generell gegen Biosprit, sondern nur dagegen, wie er momentan angewendet wird“, sagt Crutzen. Er forderte eine umfassende, kritische Treibhausgas-Bilanz für jeden Biokraftstoff.

Der Nobelpreisträger hatte seine Studie bereits im September im Internet zur Diskussion gestellt. Ende Januar wurde sie nun ohne bedeutende Veränderung gedruckt.

Die Bundesregierung arbeite „mit Hochdruck“ an einer Verordnung, die Klimabilanz und Naturverbrauch der Biokraftstoffe berücksichtigen soll, teilen Umwelt- und Landwirtschaftministerium in der „Roadmap Biokraftstoffe“ mit.

Große Hoffnungen setzen Politiker und Forscher auf Biokraftstoffe der zweiten Generation, die eine besonders gute Klimabilanz haben.

Für diesen Sprit können alle Pflanzenteile und damit auch Holzabfall genutzt werden. Holz wird in dem BtL-Verfahren (Biomass to Liquid/Biomasse zu Flüssigkeit) etwa erst in Gas umgewandelt und dann zu Ethanol verarbeitet.

Die weltweit erste kommerzielle Anlage für die Produktion von BtL- Kraftstoffen werde bis Sommer im sächsischen Freiberg fertiggestellt sein, sagt die Sprecherin der Choren Industries GmbH, Ines Bilas. Sie soll pro Jahr 15 000 Tonnen Biokraftstoff der 2. Generation herstellen. Eine weitere Anlage mit einem Biomasseverwertung von einer Million Tonnen pro Jahr hat das Unternehmen schon geplant.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 08.02.2008)


Hier finden Sie einen ausführlichen Bericht zu Agrartreibstoffen und den Folgen

(Übersetzung der GRAIN Studie)

http://www.regenwald.org/news.php?id=734