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Auch hier gibt es eigentlich nicht mehr viel zu erzählen!

Es ist krank und macht die Menschen krank! Alleine die Tatsache dass sich Millionen von Menschen tagtäglich mit dem "Geld" beschäftigen ist nur in einem Gleichnis zu begreifen: Der Tanz um das goldene Kalb.

Wir produzieren heute unter dem Zinsdruck, viel zu viel! Muss doch nicht sein, dass wir innert ein paar wenigen Jahrzenten die ganzen Ressourcen verbrauchen, alles vergiften, produzieren um gleich wieder fortzuwerfen?

Gerade weil es sich im jetzigen Wirtschaftssystem eben hauptsächlich um Geld und dessen "Optimierung" handelt, wird es untergehen. Dies ist das Gesetz von Ursache und Wirkung.

Du sollst nicht stehlen - heisst es im Gebot der christlichen Religion. Doch was ist ein Börsengewinn anderes als Diebstahl? Irgend jemand muss diesen Gewinn doch verlieren oder erarbeiten...oder etwa nicht?

Zugunsten der Geldgewinne einzelner wenigen, werden im grossen Stil seit Jahrzenten, Arbeiten in billig produzierende Länder ausgelagert und somit tausende von Arbeitsstellen vernichtet. Mit Fleiss und geplant!

Damit diese "Theorie" den Menschen glaubwürdig vertickt werden kann, senken sie die Preise unter dem Motto: Geiz ist Geil und schmälern die Einkommen und Gewinne zu ihren Gunsten, damit sich die Massenware auch sicher verkaufen lässt.                       Mit der Massenware aus den Billiglohnländern nehmen wir dem regionalen Kreislauf die Existenz und produzieren im folgenden Arbeitslosigkeit, Armut und Sozialausgaben welche der Staat übernehmen muss (statt die Verursacher)! Der auf Grund der resultierenden Rückgänge der Steuereinnahmen, wird mit dem Abbau der Sozialleistungen quittiert. Die bekannte Spirale nach unten. Da nun der Staat über die Verfassung, verpflichtet ist, die Sozialhilfe aufrecht zu erhalten, drängt nun das neoliberale Politsystem den Sozialgeldempfänger in die Schuldnerrolle und in den Status aus dem man das sogenannte Humankapital ziehen kann: Arbeitskräfte knapp am Existenzminimum! Gewinner? Wiederum das Grosskapital!

Es wäre mit dieser Misswirtschaft die ganze Seite zu füllen...Doch sind wir der Meinung, das dieses Thema erledigt ist...Es wird nicht weiterfunktionieren...so sehr wir uns dies auch wünschen. Eine Wirtschaft die auf dem Zinsgeldsystem aufgebaut ist, kann schon rein rechnerisch nicht funktionieren!

Sie ruft früher oder später in regelmässigen Abständen - Arbeitslosigkeit, Armut, Terror und Krieg herbei...No Way out.

Dies ist nicht Schwarzmalerei, sondern leider Realität. Den einen betrifft sie, den anderen nicht...klar!

Humans Hope







Verhandlungen über Liberalisierung des Handels

Die Machtverhältnisse in der WTO sind sehr ungleich. Die Industriestaaten haben viel mehr Geld, um ihre Interessen durchzusetzen, um sich angemessen zu informieren und damit ihren Interessen entsprechend entscheiden. Zudem lobbyieren die Multis massiv. Auch bei juristischem Streit bei der Durchsetzung der Verträge haben die ärmeren Länder kaum genügend Ressourcen und Macht, um ihr Recht durchzusetzen. 

Obwohl der UNO-Entwicklungsrapprt 2003 klar aufzeigt, dass die bisherigen Verträge und Regeln für die Entwicklungsländer zum Nachteil geworden sind, machen die Industrieländer massiv Druck, um Verträge zu weiteren Liberalisierungen des Handels abzuschliessen. Mit dem aktuell verhandelten GATS-Vertrag soll ein möglichst grosser Teil der Dienstleistungsbranche für ausländische Investoren zugänglich gemacht werden. Durch die damit einher gehenden Privatisierungen im öffentlichen Sektor würden aber ganze Gesellschaften umgebaut und ungleiche Zugänge für arm und reich geschaffen. Zweitens würden noch mehr wichtige gesellschaftliche Bereiche der demokratischen Kontrolle entzogen: einzelne Paragraphen des Vertrags würden gar jegliche Regultation (z.B. Umwelt oder Preis) verbieten. Bereits heute verbietet der TRIMS-Vertrag den angeschlossenen Ländern, ausländischen Unternehmen vorzuschreiben, lokale Lieferanten und Arbeitskräfte zu favorisieren, was für die Entwicklung völlig kontraproduktiv ist. 

Natürlich haben die Länder die Möglichkeit, einzelne Bereiche vom Freihandel auszuschliessen. Aber der Druck der reichen auf die armen Länder ist enorm.

Die Industrieländer nannten die aktuelle Verhandlungsrunde eine „Entwicklungsrunde“ obwohl genau sie es waren, die gegen den Willen der Entwicklungsländer diese Verhandlungsrunde ansetzten und immer nur die Interessen der Multis verteidigten. Zudem wollten sie eine Neuauflage des MAI durchsetzen. Dieser Investitionsschutz-Vertrag hätte den Multis weitgehende Rechte gegenüber den Regierungen gegeben. Darauf haben sich die Entwicklungsländer im September 2003 in Cancùn zum ersten Mal zusammenschlossen und die Verhandlungen abgebrochen. 

Je liberalisierter der Handel, desto mehr werden die Staaten durch die Wirtschaft gegeneinander ausgespielt, denn die Unternehmen suchen sich die Standorte aus, die am gewinnträchtigsten sind, und dabei spielen Faktoren wie tiefe Steuern, tiefe Löhne, tiefer Arbietnehmerschutz und keine Umweltauflagen eine grosse Rolle. Dieses Ausspielen führt zu einer Spirale des Sozialdumpings, wo die Macht der Multis unangetastet ist, dies noch verstärkt durch die Rechtsprimate, die in den neusten Abkommen eingeführt werden sollen. Die Macht des Geldes und der Multis gegenüber den Bevölkerungen nimmt damit ungeheuer zu. Die Demokratie wird ausgehebelt. 

Weder die Bevölkerungen der Industrieländer und noch diejenigen der Entwicklungsländer haben jemals ein Mandat gegeben, über solche Totalliberalisierungen zu verhandeln... Die Verhandlungen werden so geheim geführt, dass selbst den Schweizer Parlamentariern die Information über die Verhandlungspositionen der Schweizer Delegation verwehrt wird.

 

Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF)

Die Weltbank macht Aufbauhilfe in der Dritten Welt, der IWF springt ein, wenn Länder in finanzielle Schwierigkeiten geraten (vor allem dann, wenn sie ihre Schulden nicht mehr bezahlen können, wegen Verschuldung oder in Wirtschaftskrisen). 

Oft wurden Schulden von Diktatoren aufgehäuft (auch zur Stützung während des Kalten Kriegen), nun soll das Volk bezahlen. Meist auch schon abgezahlt, weil die Gläubiger oft Wucherzinsen fordern! Heute fliessen mehr Schuldzinsen von dritter zu erster Welt als Entwicklungshilfe umgekehrt... 

Der IWF stand in den letzten Jahren immer mehr in der Kritik, da er nur Hilfe leistete, wenn ein Land extreme Wirtschafts- und Gesellschaftspolitische Forderungen erfüllte. Vieles davon ist nachzulesen im Buch von Joseph Stiglitz (von 1997 bis 2000 Chefökonom der Weltbank) „Die Schatten der Globalisierung“.

Siehe auch entsprechender Artikel auf                                    www.christnetonline.ch

 

Die Beispiele aus „Die Schatten der Globalisierung“

Austeritätspolitik: Einschränkung der öffentlichen Gesundheitsverordnung, der Bildung (Einführung von Schulgeld, Entlassung von Lehrern), etc.. Abgesehen von den brutalen Härten sind diese Massnahmen völlig kontraproduktiv, da damit Einschränkung der Nachfrageseite der Wirtschaft und damit die Krise noch tiefer.... 

Privatisierung der Staatsbetriebe bis hin zur öffentlichen Versorgung: zur Schuldenbezahlung und weil IWF glaubt, dass damit die Wirschaft produktiver sei.

Öffnung des Kapitalmarktes für ausländisches Kapital, völlig ohne flankierende Regelungen. Damit ist viel Spekulationsgeld in die Länder geflossen, beim ersten Windchen flossen sie wieder weg -> Der wirtschaftliche Zusammenbruch in Ostasien im 1997 hat hier seine Ursache.

Die Gelder des IWF zur Stützung der Wirtschaft hatten meist nur die Wirkung, dass die Währung kurzfristig auf zu hohem Niveau gehalten wurde und damit die Gläubiger ihre Gelder zu einem besseren Kurs wieder abziehen konnten. Mit dem Stützungsgeld des IWF werden in der Regel vor allem die Schulden an die Gläubiger zurückbezahlt, die dann fein raus sind. Hingegen hat das Land danach noch höhere Schulden als vorher, diesmal aber beim IWF. 

Der IWF handelt heute nicht mehr zur Krisenhilfe für die Länder, sondern vor allem zur Durchsetzung der Interessen der Gläubiger und Investoren, das heisst der westlichen Banken und der multinationalen Unternehmungen. Die Priorität des IWF heisst "Vertrauen der Investoren" in ein Land, das heisst ein strikte ausgeglichenes Budget, eine extrem investorenfreundliche Gesetzgebung und auch vor allem Inflationsbekämpfung über alles, da Inflation das Geld der Besitzenden vermindert. Dies hat dazu geführt, dass die Krisen in Ostasien im 97/98 und dann in Russland im 98 damit zum Teil durch den IWF mitverursacht, aber vor allem durch die Interventionen des IWF vertieft und verlängert worden sind. 

Stieglitz vergleicht dann auch das Wirtschaftswachstum der Länder, die sich den Zwängen des IWF gefügt haben (Russland, Thailand, Indonesien, etc.) mit denjenigen, die einen eigenen Weg gegangen sind (China, Malaysia, Südkorea) und stellt fest, dass die letzteren schlussendlich viel besser dastehen. Hier ist auch die WTO in der Kritik: Eine wirtschaftliche Öffnung sollte nur langsam durchgeführt werden, damit sich die einheimische Wirtschaft auf die Konkurrenz einstellen kann. Das ostasiatische Wirtschaftswunder war darauf zurückzuführen. Es gilt anzumerken, dass Stiglitz grundsätzlich für Handel und Öffnung eintritt.

Im Zentrum der Kritik steht der Zwang zu sofortiger vollständiger Öffnung aller Märkte ohne regulierende Rahmenbedingungen. Der IWF glaube blind an den Markt, dass alles sich von selber ergebe. Dabei hat der Staat eine wichtige regulatorische Funktion (auf dem Kapitalmarkt, beim Aufbau des Rechtswesens und der Eigentumsrechte) und auch eine Aufgabe beim Auffangen von Härten, die sich durch Veränderungen ergeben. Viele IWF-Massnahmen wie die Privatisierung des Wassers, die Streichung der Subventionen von Grundnahrungsmitteln oder die Massenentlassungen bei der Schliessung von Firmen in den künstlich tiefen Krisen haben zu sozialen Erschütterungen geführt. Der IWF meint dazu nur, das seien Härten, wo die Leute durchmüssen... 

Eine Weltbankstudie von Lindbergh, die lange unter Verschluss gehalten worden ist, zeigt, dass Wachstum ohne Verteilungsmechanismen nutzlos ist: Arme profitieren nicht davon. Aber der IWF sei derart ideologisch gegen Staat eingestellt, dass staatliche Regulationen tabu sind. 

Privatisierungen werden auch wegen des Interesses der Multis auf neue Märkte durchgeführt: selbst dort, wo kein Wettbewerb möglich ist, wie beim Wasser. 

So werden Wirtschaft und Gesellschaft von vielen Ländern unter Zwang der Schulden zum neoliberalen Modell umgebaut: Privatisierung der öffentlichen Dienste und damit Zugang zu guter Bildung, Gesundheitsversorgung, Wasser etc. nur noch für die, die genügend Geld haben. Liberalisierung der Arbeitsgesetze, der Löhne etc.: freie Bahn für die Stärksten. Steuersenkungen für Reiche und Konzerne. Stieglitz meint, wir hätten aktuell eine globale Politikgestaltung ohne globale Regierung, eine Diktatur der internationalen Finanzmärkte

 

Wasser – Durchsetzung der Konzerne und katastrophale Folgen

Die Wirtschaftstheorie sagt eigentlich: wo Konkurrenz herrscht, da sinken die Preise und da gibt's Innovation, da sich die Konkurrenten anstrengen.

Wasser ist hingegen ein natürliches Monopol. Konkurrenz im Wasserleitungsnetz ist unmöglich. Und da niemand auf Wasser verzichten kann, kann ein Anbieter eines privaten Monopols soviel verlangen, wie er will, im Gegensatz zur staatlichen Versorgung, die unter öffentlicher Kontrolle steht. In London wurde vor einigen Jahren die Wasserversorgung privatisiert, was zur Folge hatte, dass der private Betreiber die Preise erhöhte und gleichzeitig nur noch einen Tausendstel des Netzes pro Jahr erneuerte. Er macht heute satte Gewinne auf Kosten der Verbraucher, wird sich irgendwann zurückziehen und die Schäden dann wiederum dem Staat abwälzen. 

Viele der ärmsten Länder der Welt mussten mindestens einen Teil ihres Wassers privaten Investoren überlassen, so auch die Philippinen, Indonesien, Vietnam, Indien, Jemen, Niger, Ghana, Kamerun, Ruanda, Tansania, Kenia, Mosambik, Südafrika, Honduras und Bolivien. Sie sind gefangen in ihren Schulden, die über die Zinszahlungen schon lange mehr als beglichen sind. Doch die Industriestaaten, statt ihnen die Schuld zu erlassen, missbrauchen sie für die Interessen ihrer Multis, zum Beispiel der Wasserkonzerne Suez-Lyonnaise, Thames Water, RWE oder Vivendi. 

In den Industrieländern ist eine Preis des Wassers irrelevant, aber in der Dritten Welt kann es um Leben und Tod gehen. Millionen von Menschen werden damit von der Wasserversorgung ausgeschlossen (weil sie unrentabel sind) oder wegen überhöhten Preisen in die Armut getrieben. Viele verwerden deshalb nicht genug sauberes Wasser oder beschaffen es sich aus unreinen Quellen, was zu einer Zunahme der Todesfälle führt. In Ghana zum Beispiel ist in vielen armen Gemeinden, die den Unterhalt der ihnen vom Staat „überlassenen“ Wasserversorgung nicht bezahlen konnten, die Krankheit des Guineawurms wieder aufgetaucht[1]. Auch die Weltbank schreibt, dass jährlich drei Millionen Kinder an Krankheiten sterben, die durch verunreinigtes Wasser verursacht wurden; 80% der Infektionskrankheiten haben ihre Ursache in verunreinigtem Wasser[2]

Die Frage allgemein erschwinglicher Preise und der Verarmung wegen zu hoher Preise wird von IWF und Weltbank nie gestellt. In den Texten der Weltbank zum Thema Wasser wird einzig darauf hingewiesen, dass man die Leute über den Preis dazu erziehen müsse, kein kostbares Wasser zu verschwenden. In tropischen und regenreichen Ländern eine Absurdität...

Der IWF versprach, dass ein privater Investor mehr Geld hätte, Anschlüsse für alle Menschen zu bauen. Inzwischen musste der IWF zugeben, dass dies nicht geklappt hat. Aber er gibt die Schuld den zu tiefen Preisen, weswegen die Investoren zu wenig Gewinne machen, die sie reinvestieren könnten... Wir stellen hingegen fest, dass die Preise heute im Gegenteil bereits so hoch sind, dass viele Menschen sich kein sauberes Wasser mehr leisten können. Wasser ist offensichtlich der Prototyp eines notwendigen Gutes, das nur der Staat bereitstellen kann, weil es für Private nicht rentabel ist, wenn es für alle zugänglich sein soll. Die IWF- und Weltbank-Theoretiker haben dies ignoriert, oder aber sie finden, selbst Wasser müsse nicht für alle zugänglich sein....

Das Wasser ist ein starkes Symbol: Es stellt unsere wichtigste Lebensgrundlage dar. Die Privatisierung der Wasserversorgung führt dazu, dass sich die westlichen Länder sich die Lebensgrundlage der ärmsten Länder aneignen. Ist das das Endstadium des Imperialismus? Die Länder des Südens werden damit gezwungen, uns ihr eigenes Wasser für teueres Geld abzukaufen.

 

Lösungswege der Kritiker

Demokratisierung der Institutionen: Heute wird der IWF und die Weltbank von den Geldgebern beherrscht. Nach Stieglitz ist darunter vor Allem das amerikanische Finanzministerium tonangebend, das die Interessen von Wall Street vertritt. Nötig sind demokratische Reformen und Mitsprache der Empfängerländer.
Transparenz, Zugang zu allen Informationen für alle Interessierten, offene und öffentliche Diskussion der Strategien, Offenlegung der Lobbys
Auch bei WTO mehr Mitspracheressourcen für Entwicklungsländer. 
Keine Ausweitung der Rechte der Multis ohne ausgleichende Pflichten, Kontrolle, zuverlässige demokratisch gewählte Gerichte etc. 
Demokratische Kontrolle über Vertragsabschlüsse und Ausschluss von Regulations-Verboten
Aufgabe des TRIMS-Abkommens, Ausschluss der lebenswichtigen Güter vom Freihandel
Inhaltlich: Stop Austerität; garantierter Zugang zu Wasser, Gesundheit, Bildung für alle
Privatisierung nur im Falle von Beweisen der Sozialverträglichkeit
Stärkung der UNO. Diejenigen UNO-Organisationen, die sich mit Wirtschaft und mit Handel beschäftigen (UNCTAD, BIT, etc.), wurden vor allem von den USA finanziell abgeschnitten, da in den entsprechenden UNO-Organisationen jedes Land gleich viel Stimmen und damit Einfluss hat, dies im Gegensatz zu IWF, Weltbank und WTO, wo die USA und die westlichen Staaten beherrschend sind. 

Bundesrat Deiss ist voll auf IWF-Linie, obwohl die Bevölkerung der Schweiz die neoliberale Politik des IWF niemals befürworten würde. Wir sollten ihn an sein Mandat erinnern!
Internationaler Druck von unten, auf Institutionen, aber auch auf Firmen!
Entwicklung der Zivilgesellschaft

Autorin: Wirtschaftsgruppe und Quelle:                              www.christnetonline.ch




Nähere Information zum Thema Gold

12 Fragen und Antworten zum Thema Gold

1. Woher kommt eigentlich GoldGold ist ein Metall aus der Urgeschichte der Erde. Es findet sich als Goldader an einigen Rissen in der Erdkruste und als Auswaschung aus dem Gestein in Flußablagerungen. Gold kommt in der Erdkruste in extrem geringer Konzentration vor (im Schnitt drei Gramm pro Tonne). Gigantische Berge an Gestein werden durchsiebt, um ein paar Gramm Gold zu erhalten. Das Ausmaß verdeutlicht John E. Young im Magazin Minewatch: “Der Abfall, der pro Jahr im Goldbergbau anfällt, reicht aus, um einen Müllwagen-Konvoi aus 250-Tonnern Stoßstange an Stoßstange rund um den Äquator zu bilden.”

2. Wie wird Gold abgebaut

Gold wird heute meist in großen Minen im Tagebau abgebaut, also oberirdisch wie Braunkohle. Allerdings muss das Gestein vorher abgesprengt werden und die Minen setzen das hochgiftige Zyanid ein, um die geringen Goldspuren aus dem Gestein zu lösen. Eine Goldmine ist eine
Chemiefabrik unter offenem Himmel: Zuerst wird das Gestein gesprengt und zermahlen. In der offenen Laugung wird es anschließend auf Plastikplanen zu hohen Hügeln aufgeschüttet und wochenlang mit einer Zyanidlösung beträufelt. Sie löst die Goldspuren aus dem Gestein. Oft sind dies nur ein bis zwei Gramm pro Tonne Gestein. Zyanid ist extrem giftig: es verhindert den Sauerstoff-Transport im Körper und führt schon in kleinsten Dosen zum Tod.
Manche Minen führen die Laugung in geschlossenen Tanks durch. Dies ist besser als die offene Laugung. Aber auch dort bleiben riesige Mengen an hochgiftiger Schlacke zurück, die in riesigen Auffangbecken gelagert oder in Flüsse und Meere gekippt werden. Und die Zerstörung der Landschaft und Lebensgrundlagen ist die gleiche: die modernen Goldminen verursachen Menschenrechtsverletzungen und hinterlassen tote Mondlandschaften, lang anhaltende Umweltschäden und soziale Probleme.
Eine anders Verfahren ist die Gewinnung von Gold aus Flusssand meist mit Quecksilber. Das Quecksilber zieht den Goldstaub an und wird dann verdampft. Dabei lagern sich giftige Gase
ungefiltert in der Luft und in den Flüssen ab. Zusätzlich fallen beim Goldabbau Stickstoff, Schwefel, Kupfer, Zink und Arsen an.

3. Was hat Gold mit dem Regenwald zu tun?

Goldsucher dringen bis in die abgelegensten Gebiete vor, um die steigende Goldnachfrage zu befriedigen. Allein in den Amazonas werden pro Jahr schätzungsweise 100 Tonnen Quecksilber gekippt. In Brasilien wurde das Reservat der Yanomani von 90 000 Goldsuchern heimgesucht. Auch die Wälder von Venezuela, Ecuador, Indonesien, Ghana und vielen anderen tropischen Ländern sind durch Goldminen bedroht.
Noch wird ein Großteil des Goldes in Südafrika, Sibirien und den USA abgebaut, doch der Trend zeigt in andere Länder. Über 70 Staaten, davon 31 in Afrika, haben bereits ihre Minengesetze
geändert, um ausländische Firmen anzulocken. Von Ghana zu den Philippinen werden Steuern und Abgaben gesenkt, Umweltauflagen außer Kraft gesetzt. Der Run auf die letzte Reservate hat
begonnen. In zehn bis zwanzig Jahren, schätzt man, wird die Hälfte des Goldes aus Gebieten kommen, die von indigenen Völkern bewohnt und genutzt werden.

4. Wofür braucht man eigentlich Gold?

Seit Anfang der achtziger Jahre erlebt die Welt einen neuen Goldrausch. Heute werden weltweit etwa 2500 Tonnen Gold pro Jahr abgebaut, doppelt soviel wie vor 20 Jahren. Gold wird zu 85 % zu Schmuck, Pokalen und Goldbarren verarbeitet. Die Elektronik- und Zahnindustrie braucht nur etwa 15% der Produktion. Die für Kettchen und Ringe eingesetzten Goldmengen haben sich seit 1980 mehr als vervierfacht.

5. Stimmt es, dass Menschen von den Folgen der Goldgewinnung krank werden und sogar sterben können?

Der moderne Goldabbau ist eine Katastrophe für Menschen und Umwelt. Er ist weit entfernt von der verklärten Vorstellung vom Goldsucher mit der Pfanne. Gold wird zunehmend großflächig in Übertage-Minen gewonnen. Unter Einsatz hochgiftiger Chemikalien werden dabei Erze mit geringsten Gold-Spuren abgebaut. Die Lebensgrundlagen vieler Menschen werden dabei zerstört.
Nach Angaben der International Labour Organisation sterben jährlich Jahr 15 000 Menschen an den Folgen des Goldabbaus. Umweltverseuchung und Vergiftungen von Menschen sind beim Goldabbau nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Die giftigen Dämpfe werden von Mensch und Tier inhaliert, gelangen in Seen und Flüsse und landen schließlich auch in der Nahrungskette.
Quecksilber schädigt vor allem das zentrale Nervensystem. Die Zyanidlauge ist nicht ungefährlicher. Ein Teelöffel zweiprozentiger Zyanidlauge kann einen Menschen in Sekunden
töten. In den Becken mit giftigen Abfällen aus der Goldproduktion verenden zahlreiche Tiere – vor allem Vögel, die durch die glänzende Oberfläche der “Giftteiche” angelockt werden.

6. Wer ist für den Goldabbau verantwortlich?

Die Masse allen Goldes wird von großen Industriekonzernen produziert, und durch den aggressiven Trend zur Privatisierung steigt die Abhängigkeit von den Firmen stetig. Viele Staaten änderten ihre Bergbaugesetze und öffneten sich für internationale Minenkonzerne – meist unter dem Einfluss von Weltbank und Internationalem Währungsfond.
Die Opfer sind mehrheitlich Indigene, Kleinbauern und Fischer. Nach ihrer Meinung werden sie zumeist nicht gefragt, häufig werden sie nicht einmal über geplante Minen informiert. Nicht selten erschleichen Konzerne ihre Zustimmung mit Hilfe von Drohungen, Einschüchterung, falschen Versprechungen oder Lügen.
In einigen Ländern gibt es auch die kleinen Goldsucher, die unkontrolliert Gold schürfen. Einige arbeiten auf eigene Faust, andere in Familien oder Kooperativen. Die Wenigsten werden davon
reich, der Großteil führt ein Leben in Elend, Armut und Krankheit. In einigen Ländern, wie Wenn die großen Unternehmen kommen, werden die kleinen Goldsucher für illegal erklärt und – notfalls mit brutaler Gewalt – von ihrem Land vertrieben.

7. Bringt der Goldabbau den armen Ländern nicht wichtige Devisen?

Vordergründig bringen die Minenfirmen Verbesserungen für den Arbeitsmarkt und die Exportwirtschaft. In der Realität ist das Einkommen für die Produzenten verschwindend gering, eine Studie aus Venezuela ergab, dass der Bundesstaat Bolivar an seinen Goldminen in vier Jahren ganze 2 Millionen Dollar verdient hat.
Der Trend geht zu noch geringeren Gewinnen für die Länder und größeren Profiten für die Konzerne. Weil die Abgaben immer geringer werden, fahren die Unternehmen “skandalöse Gewinne” ein, wie es venezolanische Umweltschützer ausdrücken. Rechnet man die sozialen und ökologischen Kosten hinzu, machen die Goldländer unterm Strich ein gigantisches Minusgeschäft, wie nicht nur das Beispiel Peru zeigt. Dort befinden sich gegenwärtig etwa 250 Minen in Betrieb. Für die Menschen in den betroffenen Orten und Regionen heißt dies oft: Verschmutzung wichtiger Ressourcen wie Wasser und Boden durch giftig Stoffe bei der Erzgewinnung und Rückstände des Produktionsprozesses, soziale Probleme infolge von Land- und Ressourcenkonflikten, Missachtung
grundlegender Rechte durch Staat und Minengesellschaften. Zudem gefährden Bergbauprojekte funktionierende ökonomische Strukturen wie z.B. die Landwirtschaft, ohne langfristig eine Alternative zu bieten.
Inzwischen gibt es die Kampagne “Bergwerk Peru: Reichtum geht, Armut bleibt”, eine gemeinsame Aktion von bundesdeutschen Gruppen und Organisationen, die in unterschiedlicher Weise mit Partnergruppen und -organisationen in Peru zusammen arbeiten.

8. Gibt es nicht auch schonende Methoden der Goldgewinnung?

Aus altem Schmuck, Zahnersatz wie aus goldhaltigen Industrieabfällen lässt sich das Metall auf relativ unkomplizierte Weise wieder zurückgewinnen. Spezielle Goldscheideanstalten gewinnen das Gold in reiner Form wieder.
Goldschmiede können aufgrund ihrer Ausbildung verschiedene Goldlegierungen selbst umlegieren und schmelzen. Schmuck aus Nachlässen, zu dem keine persönliche Beziehung besteht oder der nicht mehr in die heutige Zeit passt, kann umgearbeitet werden. Goldschmiede und qualifizierte Fachgeschäfte verwandeln so altes Gold in neuen Schmuck, der Freude macht. Sie können so dazu beitragen, Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden zu verhindern.
In Indonesien produzieren auch Ureinwohner Gold als Nebenerwerb zum Feldbau oder Früchte sammeln und wenden jahrhundertealte, ungiftige Methoden an.
Theoretisch möglich und auch sinnvoll ist es, beim industriellen Goldabbau Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken und die Menschen besser zu qualifizieren, um die schlimmen Folgen zu reduzieren. Aber die großen Gewinne und Anreize für Unternehmen werden durch das rücksichtslose Vorgehen erst möglich. Würden die Firmen für die von ihnen angerichteten Schäden kostenpflichtig gemacht, würde
sich nach ihren eigenen Aussagen die Goldförderung für viele von ihnen nicht mehr lohnen.
Durch den Goldabbau werden für die Menschen Alternativen vernichtet, die langfristig viel sinnvoller wären und mehr einbringen würden, wie zum Beispiel Landbau oder Ökotourismus.

9. Die Staatsbanken haben doch auch eine Menge Gold?

Kritiker meinen: eigentlich müßte heute gar kein Gold mehr abgebaut werden. Allein in den Kellern der Staatsbanken werden Tausende Tonnen Gold gehortet. Würde man diese Reserven wieder auf den Markt bringen, könnte der Goldabbau drastisch reduziert, wenn nicht für Jahre ausgesetzt werden. Auch der internationale Währungsfond IWF verfügt über gigantische Goldvorräte.

10. Was hat mein Ehering mit der Naturzerstörung zu tun?

Wer Gold kauft, sollte sich über den tatsächlichen Preis für das Kettchen oder den Armreif bewußt sein: Millionen Tonnen umgewälzte Erde, verwüstete Landschaften, Milliarden Liter vergifteter Flüsse und Menschen, die in Elend und Krankheit leben. Wie schwer der teure Glanz wiegt, beschreibt John E. Young im Minewatch Magazin: “Die Mengen an Boden und Gestein, die
umgewälzt werden muß, um das Gold für ein Paar Eheringe zu gewinnen, ergäbe ein drei Meter tiefes Loch von 1,80 mal 1,80 Meter im Garten der glücklichen Eheleute.” Damit wiegt ein
Ehering etwa drei Tonnen.

11. Was tut Rettet den Regenwald für die Menschen und Tiere, die unter dem Goldabbau leiden?

In zahlreichen Ländern wehren sich die Menschen, die durch Goldgier vertrieben werden, gegen die Umweltzerstörung. Rettet den Regenwald unterstützt beispielsweise Umweltgruppen und die Goldopfer in Guatemala, Ghana oder Ecuador. Wir leisten finanzielle Hilfe, organisieren Protestmail-Aktionen und informieren in Deutschland über die Folgen des Goldabbaus.

12. Was kann ich persönlich tun?

Was können Sie tun?Lassen Sie alte Schmuckstücke und andere goldlegierte Produkte umarbeiten oder recyclen. Verzichten Sie auf den Kauf von industriell gefertigtem Massen-Goldschmuck. Sprechen Sie im Juweliergeschäft über die Umweltprobleme bei der Goldförderung und schicken Sie einen Bericht über die Gespräche an Rettet den Regenwald. Stellen Sie dem reinen Image des Goldes die häßliche Realität gegenüber, zum Beispiel durch Leserbriefe und andere Beiträge in Mode- oder Frauenzeitschriften. Verzichten Sie auf “goldene Geschenke” unterm Weihnachtsbaum oder zu anderen Festtagen Legen Sie den Regenwald Report beim Friseur, im Wartezimmer Ihres Arztes oder anderer Stelle aus. Wir senden Ihnen gerne ausreichend Exemplare. Helfen Sie mit einer Spende an Rettet den Regenwald, damit wir unsere Unterstützung für Goldopfer in den Regenwaldländern verstärken können. Sie erhalten auf Wunsch für Ihre Spende eine Regenwald-Urkunde, die Sie auch verschenken können.

Quellen: FIAN, Rettet den Regenwald Archiv

Quelle:                                                                              http://www.regenwald.org/


Eine wirklich gute Idee!

Eines Tages im Gespräch mit H.J. Klaussner, der das Buch "HuMan-Wirtschaft", geschrieben hat und einen Versuch startete, parallel zum bestehenden Zinsgeldsystem, ein Leistungs-Verrechnungssystem (das übrigens durchaus funktionstüchtig war) auf zu bauen, was leider von der Eidgenössischen Banken Kommission* vermutlich zu unrecht zerschlagen wurde, meinte er zu den anwesenden Mitgliedern und Gästen: Man sollte das ganze Gold auf dem gesamten Globus, einsammeln, pulverisieren und mit den Flugzeugen über dem ganzen Globus verteilen...Ja gut, ein wenig könne man ja noch für Schmuck im Umlauf lassen...Diese Homöophatische Dosis Gold, würde den Erd-Heilungsprozess um das ca 600-fache beschleunigen!

Ja das wär ja ein Ding! Wenn sich die Menschheit zur Heilung der Erde von Ihrem, ach so geliebten Gold, trennen würde! Wenigstens einen grossen Teil. Wouw!

* EBK, Eidgenössische Banken Kommission, vom Bund eingesetzt zur Kontrolle über das Geld und was damit zu tun hat. Entgegen der landesüblichen Meinung, hat die EBK überhaupt nichts mit dem Bund zu tun. Dieser ist lediglich verantwortlich dass ein Kontrollgremium existiert. Die EBK ist mit ca. 9 spezialisierten Anwälten im Amt, die Vertretung der Banken in der Schweiz und wird 100% durch diese finanziert. Interessant nicht?

Humans Hope


Nähere Information zu Tropenholz

12 Fragen und Antworten zum Thema Tropenholz

Hauptsache Zertifikat? Verunsicherung bei den Konsumenten, Ratlosigkeit bei vielen Kommunen: Darf inzwischen wieder Tropenholz guten Gewissens gekauft werden? Während umweltbewusste Verbraucher vor zehn Jahren noch sicher sein konnten, dass es praktisch kein nachhaltig geschlagenes Tropenholz gab, hat die Branche versucht, ihr Image aufzupolieren. Auf Teakmöbeln kleben plötzlich Ökosiegel, Hölzer aus Ländern wie Kamerun sind mit nationalen Zertifikaten ausgestattet. Dabei belegen verschiedene aktuelle Studien, dass in dem zentralafrikanischen Land ohne Korruption beim Holzhandel wenig läuft und der Raubbau an den dortigen Wäldern dramatische Formen angenommen hat. Und Kamerun ist kein Einzelfall.
Was also tun? “Rettet den Regenwald” gibt Antworten auf zwölf wichtige Fragen zum Thema Tropenholz.

1. Was versteht man eigentlich unter Tropenholz?

Hölzer, die aus den tropischen und subtropischen Wäldern in Asien, Afrika und Lateinamerika stammen. Produkte aus Mahagoni, Teak oder Palisander erwecken den Eindruck von Luxusartikeln. Viele Tropenhölzer wie Meranti, Ramin und Gabun werden aber für Alltagszwecke verwendet: als Sperholz, Besenstiel, Fensterrahmen, Klodeckel und Lärmschutzwand.

2. Stimmt es, was Umweltschützer behaupten, dass durch Tropenholzhandel die Regenwälder vernichtet werden?

Ja, die Tropenholzkonzerne zerstören seit Jahrzehnten den Regenwald. Viele Firmen handeln ganz bewusst nach dem Motto “Einschlagen, abkassieren und weg”, um den höchstmöglichen Profit zu erwirtschaften. Zudem sind praktisch alle Versuche, die Hölzer der Regenwälder nachhaltig zu nutzen, bisher gescheitert, wie zahlreiche ältere und aktuelle Studien beweisen. Mit den Wäldern gehen auch die Waldvölker zu Grunde. Mit Bulldozern und Kettensägen wird zudem eine einmalige Artenvielfalt für immer ausgerottet.

3. Was geht uns die Zerstörung der Regenwälder an?

Die Vernichtung der tropischen Wälder bedroht uns alle, denn sie sind unersetzlich für ein stabiles Weltklima. Allein der Wald im Amazonas speichert 120 Milliarden Tonnen Kohlenstoff, weswegen er auch als die “Lungen der Erde” bezeichnet wird. In den weltweiten Regenwäldern leben zudem schätzungsweise 30 Millionen Tier- und Pflanzenarten, die meisten von ihnen bisher unerforscht. Jeder großflächige Eingriff verändert das komplizierte Ökosystem, das unser größtes genetisches Reservoir beherbergt.

4. Warum wird bei uns überhaupt Tropenholz gehandelt, bei uns wächst doch genügend Holz?

Tropenholz ist oft preiswerter als qualitativ vergleichbare heimische Arten, weil die Bäume im Regenwald nicht erst angepflanzt wurden, sondern die Natur “kostenlos” geplündert wird. Zudem liegen die Löhne in den Tropenländern viel niedriger als bei uns. Auch gefällt es der Industrie, dass sich die Baumriesen aus den Regenwäldern leichter maschinell verarbeiten lassen. Bis auf wenige Spezialgebiete kann Tropenholz jedoch problemlos durch heimische Hölzer ersetzt werden.

5. Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich etwas aus Tropenholz kaufe?

Wer Tropenholz kauft, sollte sich über die Folgen im Klaren sein. Die Regenwälder enthalten den größten Schatz der Menschheit. Zahlreiche Pflanzen- und Tierarten sind für die Ernährung und die Medizin nutzbar. Nur die Waldvölker kennen bisher die Gesetze dieser Vielfalt, während die Wissenschaft bei der Erforschung der Regenwälder noch am Anfang steht. Jetzt ist die Menschheit dabei, eine Bibliothek abzubrennen, deren Regale voll sind mit geheimnisvollen Büchern, von denen wir fast noch keines gelesen haben. Über die Hälfte der Tropenwälder sind bereits vernichtet worden. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird es sie in einer Generation nicht mehr geben.

6. Ist die Vernichtung der Tropenwälder wirklich Folge von übermäßigem Holzexport?

Ja, obwohl der Holzhandel versucht, mit Zahlentricks seine Rolle bei der Vernichtung zu vertuschen. Er addiert sämtliches Holz, das in den Tropenländern als Brennholz verwendet wird, um zu beweisen, dass viel weniger Holz exportiert wird. Das Tropenholz für unseren Konsum stammt jedoch aus wenigen, noch waldreichen Ländern. Dort gibt es keinen Brennholzmangel, dort ist der kommerzielle Holzhandel für die Vernichtung der Wälder verantwortlich. Selbst die eher industriefreundliche Weltbank hat berechnet, dass der Holzhandel jährlich fünf Millionen Hektar Regenwald vernichtet.

7. Stimmt es, dass bei der Tropenholzernte meist Raubbau betrieben wird?

In Asien werden häufig bis zu zwei Drittel der Vegetation zerstört oder geschädigt, nur um einige wenige Baumarten aus dem Wald zu holen. Nach Einschätzung amerikanischer Wissenschaftler könnte allein das Holz, das dabei als “Abfall” im Wald zurückbleibt, den gesamten Weltbedarf decken. In Afrika werden sogar nur ein bis zwei Stämme pro Hektar genutzt. Gefährdet wird dabei der gesamte Wald, weil er von den Holzstraßen “geöffnet” wird.

8. Stimmt es, dass die Erschließung des Tropenwaldes der Brandrodung erst den Weg bereitet?

Für den Abtransport des Holzes werden bis zu 70 Meter breiten Straßenschneisen durch den Wald gebaut. Da die vom Holzhandel begehrten uralten Baumriesen fast nur noch in unzugänglich Gebieten wachsen, dringen die Holzkonzerne meist in bisher unberührte Primärwälder ein. Dort schlagen sie die wirtschaftlich lukrativsten Bäume. Auf den Holzfällerstraßen ziehen Wilderer und Farmer in den Wald und zerstören ihn zusätzlich durch Brandrodung und Plantagenanbau. Ein durchforsteter Regenwald ist zudem viel anfälliger für riesige Brände, wie wir sie von der Insel Borneo oder aus dem Amazonas kennen.

9. Ist es richtig, dass in Südamerika die ärgste Vernichtung des Regenwaldes erfolgt?

Die meisten Menschen wissen zu wenig über die weltweiten Regenwälder. Deshalb denken viele nur an den Amazonas. Doch die Regenwälder in Asien und Zentralafrika werden nach offiziellen Statistiken viel schneller vernichtet. Eine gerade veröffentlichte Studie warnt, dass die meisten verbleibenen Urwälder in Zentralafrika, der Karibik und im pazifischen Raum als direkte oder indirekte Folge des Holzhandels in Kürze verloren gehen, wenn nicht sofort einschneidende Schutzmaßnahmen ergriffen werden. In Brasilien ist der Holzhandel ebenfalls für die Regenwaldvernichtung verantwortlich, vor allem weil über die Hälfte der Stämme illegal und damit unkontrolliert geschlagen werden.

10. Stimmt das Argument des Holzhandels, dass es den Regenwäldern und den Menschen in der so genannten Dritten Welt hilft, wenn von dort Tropenholz exportiert wird?

Nein, denn der Tropenholzhandel vernichtet die Lebensgrundlage der Menschen in den Tropen. Weil die Holzernte nicht nachhaltig geschieht, schafft die Branche allenfalls kurzfristig Arbeitsplätze und zerstört gleichzeitig die langfristige Lebensgrundlage der Menschen. Einige Länder, die früher zu den wichtigen Tropenholzexporteuren gehörten, müssen heute Holz einführen, weil ihre eigenen Wälder als Folge des Raubbaus erschöpft oder verschwunden sind. Die Elfenbeinküste ist solch ein warnendes Beispiel. Heute hat das Land einen Großteil seiner Wälder verloren, das pro-Kopf-Einkommen ist gesunken und die Auslandsschulden sind gestiegen.

11. Hilft ein Tropenholz-Boykott den Regenwäldern?

Jeder, der sich informiert hat und die Bedeutung dieser einmaligen Ökosysteme für unsere Erde kennt, wird sich diesem Boykott anschließen, bis zweifelsfrei nachgewiesen ist, dass das gehandelte Tropenholz aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger Produktion stammt. Diesen Beweis konnte der Holzhandel bis heute nicht antreten. Lediglich auf verschwindend geringen Flächen ist es bisher gelungen, halbwegs natur- und sozialverträglich Tropenholz zu ernten. Deshalb rufen Umweltschützer zum Boykott der meisten tropischen Hölzer auf und verzichten viele verantwortungsbewusste Privatpersonen, Firmen, Kommunen und Behörden auf Tropenholz.

12. Können die Regenwälder überhaupt naturverträglich bewirtschaftet werden?

Auf jeden Fall nicht mit Bulldozern und Kettensägen des Holzhandels, der kein Interesse an teurer nachhaltiger Nutzung hat, solange ihm immer neue Primärwälder zur Ausbeutung angeboten werden. Allein viele Waldvölker haben bisher bewiesen, dass Regenwald naturverträglich genutzt werden kann. Dabei spielt die Holzernte nur eine untergeordnete Rolle. Wichtiger sind so genannte Sekundärprodukte wie Öle, Nüsse, Latex und Früchte. Die nachhaltige Regenwaldnutzung wird dabei von kleinen, lokalen Initiativen kontrolliert und findet anders als der kommerzielle Holzeinschlag nicht auf riesigen Flächen statt.
Quelle:                                                                              http://www.regenwald.org/




Was dir Ikea verschweigt

Der Nebel, hinter dem sich das Unternehmen Ikea mitsamt seinen vielen Verflechtungen verbirgt, ist einigermaßen undurchdringlich. Und da Ikea nicht an der Börse notiert ist, braucht das Unternehmen weder Teil- noch Gesamtbilanzen, weder Vermögens- noch Investitionsvolumina zu veröffentlichen.

Eigentümerin des Ikea-Konzerns ist eine Stiftung, die in den Niederlanden eingetragene Stichting Ingka Foundation. Sie ist Inhaberin der Ingka Holding B. V. Sie bildet das Dach, unter dem die Ikea-Unternehmen zusammengefasst sind. Eigentümerin des Ikea-Konzepts ist Ikea Systems, die im belgischen Waterloo südlich von Brüssel residiert und zur Inter Ikea Group gehört. Diese vergibt die Lizenzen an alle Einrichtungshäuser der Kette und kontrolliert Firmenlogo, Produktnamen und Firmenrichtlinien, die dafür sorgen, dass ein Ikea-Markt in China sich nur unwesentlich von einem Ikea-Markt in den USA oder in Kuwait unterscheidet.

Wer steht hinter Ikea Systems? Wer ist Eigentümer der Marke und der Lizenzrechte? Formal lässt sich das unmöglich sagen. Der schwedische Journalist Stellan Björk, der umfangreiche Recherchen zu Ikea angestellt hat, kommt zu dem Schluss: "Soweit man weiß, gehört Ikea Systems einer Reihe von Stiftungen und Offshore-Unternehmen, manche mit Sitz in der Karibik."(1) Dieses undurchsichtige Geflecht illustriert sehr schön, wie es mit dem Bemühen um Transparenz steht, die das Unternehmen sich ansonsten so gern auf die Fahne schreibt.

Zu Beginn ihrer Ikea-Kampagne bat die belgische NGO Oxfam - Magasins du monde das Einrichtungshaus, fünf mit der Unternehmensleitung ausgewählte Produkte zurückverfolgen zu dürfen. Nach einem Jahr und zahlreichen Kontakten hat Oxfam bis heute keine definitive Antwort erhalten. Ikea vermeidet es systematisch, schriftliche Stellungnahmen abzugeben.

Die angeblich unabhängigen Kontrolleure, die überprüfen sollen, ob in Ikea-Betrieben soziale und ökologische Standards eingehalten werden, dürfen ihre Erkenntnisse nicht an die Öffentlichkeit bringen. Und als der Weltkonzern im Mai 1998 einen Rahmenvertrag mit der International Federation of Building and Wood Workers (IFBWW)(2) abschloss, verpflichtete sich der Gewerkschaftsverband darin, bei sozialen Missständen zunächst das Unternehmen zu informieren. Der Konzern werde dann "der Sache nachgehen und geeignete Maßnahmen ergreifen"(3).

Man lässt einfach nichts nach außen dringen. Auch von den Ikea-Mitarbeitern in Waterloo wollte niemand auf unsere Fragen antworten. Gespräche mit der Presse sind den Beschäftigten untersagt. Wenn dennoch Fehler ans Licht kommen, wirft Ikea seine gigantische Kommunikationsmaschine an. Das Muster ist immer dasselbe: Das Unternehmen gesteht den Fehler ein, spielt den Fall herunter, nimmt seinen Kritikern den Wind aus den Segeln und verspricht Lösungen.

Nachdem Umweltschutzorganisationen dem Unternehmen Raubbau an der Natur vorgeworfen haben, hat Ikea seit den 1990er-Jahren seine Beziehungen zu den großen Umweltschutzorganisationen World Wildlife Fund und Greenpeace ausgebaut. Nachdem der Vorwurf laut wurde, Ikea verdiene an Kinderarbeit, suchte man die Partnerschaft mit Unicef und "Save the Children". Dabei geht es freilich nicht um ein "philanthropisches" Engagement, sondern um die Sicherung der Geschäfte. Diese Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen gewährleistet keineswegs, dass die Missstände behoben werden. Keine der genannten privaten Organisationen führt Produktionskontrollen durch oder inspiziert die Zulieferbetriebe.

Als 1994 bekannt wurde, dass der heute 80-jährige Ikea-Gründer Ingwar Kamprad zwischen 1941 und 1950 finanzielle und freundschaftliche Verbindungen zu Nazigruppierungen hatte, zeichnete die PR-Abteilung des Unternehmens das Bild eines sensiblen Mannes, der sich bei seinen Mitarbeitern reumütig für seine braunen Jugendsünden(4) entschuldigt. Unablässig und begeistert kolportieren die Medien die zahllosen Geschichten, die über den Ikea-Gründer in Umlauf sind - von den ersten Zündhölzern, die der fünfjährige Bengel verkaufte, bis hin zur Knausrigkeit des greisen Milliardärs, der die Preise von Postkarten vergleicht. Ingvar fährt ein altes Auto; Ingvar kauft kurz vor Ladenschluss ein, weil das Gemüse dann billiger zu haben ist; Ingvar reist zweiter Klasse, um dem Volk nahe zu sein.

Allerdings hat kein Mann aus dem Volk mit dreißig schon zwei Porsches, und keiner aus dem Volk besitzt 17 Hektar Weinberge und dazu ein Haus mit 435 Quadratmetern Wohnfläche in der Schweiz. Die Widersprüche zwischen Realität und Darstellung interessieren die Medien kaum. Die meisten lieben den Ikea-Mythos. Ein Beispiel von vielen ist das Interview, das Kamprad im März 2006 dem französischsprachigen Schweizer Fernsehen in der Sendung "Pardonnez-moi" gegeben hat.

Der Moderator scheint den Milliardär, der ihm da gegenüber sitzt, nicht zu schonen. Die berühmte Knausrigkeit wird ausführlich behandelt und sogar ein wenig ironisiert: Sie reisen zweiter Klasse? Papier soll auf beiden Seiten beschrieben werden? Sie haben lange Zeit einen alten, verrosteten Volvo gefahren? Sie kaufen Salat wirklich erst kurz vor Ladenschluss?

Auch Kamprads Nazivergangenheit wird offen angesprochen. Kurzum, das Gespräch ist höflich, aber direkt. Doch in den 18 Minuten kommt keine einzige Frage zu den Umweltproblemen und zu den Arbeitsbedingungen der 90.000 Beschäftigten des Unternehmens und hunderttausenden von Arbeitern in den Zulieferbetrieben.

Trotz der scheinbar inquisitorischen Fragen hält sich der Schweizer Journalist ziemlich genau an das, was im Ikea-Drehbuch vorgegeben ist. Er rennt brav die Türen ein, die Ikea selbst aufgestoßen hat. So lenkt der Möbelriese das Gespräch. Ohne dass jemand eingreifen muss, bewegt sich das Gespräch im Rahmen der von Ikea autorisierten Themen. So einfach ist das.

Fußnoten:

(1) Olivier Burkeman, "La secte mondiale du kit", Courrier International, Nr. 722, 2.-8. September 2004.
(2) Inzwischen umbenannt in Building and Wood Workers' International (BWI).
(3) Überarbeitete Vereinbarung zwischen Ikea und der IFBWW vom Dezember 2001; siehe www.ifbww.org/index.cfm?n=44&l=2&c=901.
(4) Bertil Torekull, "Das Geheimnis von IKEA", Hamburg 1998.Le Monde diplomatique Nr. 8152 vom 15.12.2006, 172 Zeilen




Erwerbsarbeit

Darfs ein bisschen mehr Musse sein?

Von Peter Schallberger

Musikhören und Gamen gehören zwar zur Selbst­verwirklichung - aber bezahlte Arbeit tut dies noch viel mehr. Sie könnte bald ein veraltetes Modell sein.Sind wir, was wir arbeiten? Oder erfinden wir uns dauernd neu, indem wir immer andere Lebens- und Berufswege wählen? Und überhaupt: Warum arbeiten wir so viel?

Seit längerem vollziehen sich in der Gesellschaft tief greifende Umwälzungen. Regeln werden flexibler, Sicherheiten schwinden, Angestammtes verliert seine Verbindlichkeit. Einige ZeitdiagnostikerInnen behaupten gar, die gesellschaftlichen Strukturen hätten sich mittlerweile weitgehend aufgelöst: Wirtschaftliche, politische oder soziale Ordnungsfaktoren würden die individuelle Lebensgestaltung kaum mehr einschränken - oder gar bestimmen. Dieser Diagnose haftet etwas Schillerndes an. Gerne wird denn auch von Entgrenzung und Unbestimmtheit gesprochen und von den unzähligen Möglichkeiten und Chancen, die sich uns bieten.

Gedichteschreiben oder Kiffen

Und das macht die Diagnose zu einem Problem: Ihr Erfolg in den Feuilletons lässt es mittlerweile als ein für Soziolog­Innen unschickliches, wenn nicht gar peinliches Unterfangen erscheinen, sich für diejenigen gesellschaftlichen Aspekte zu interessieren, die in den vergangenen Jahrzehnten erstaunlich stabil und unverändert geblieben sind. Besonders mitleidig beäugt werden diejenigen FachvertreterInnen, die sich mit Fragen der Reproduktion sozialer Ungleichheit befassen; also beispielsweise mit der Frage, weshalb sich der Sohn des Anwalts auch heute noch mit viel grösserer Wahrscheinlichkeit für ein Studium der Betriebwirtschaftslehre als für den Beruf eines Dachdeckers entscheidet oder weshalb es weiterhin überproportional unwahrscheinlich bleibt, dass die in der Schweiz aufgewachsene Tochter des albanischstämmigen Bauarbeiters Professorin für Kunstgeschichte wird.

Weitgehend stabil ist auch die Erwartung geblieben, dass junge Menschen einen Beruf erlernen und später ihren Lebensunterhalt durch Erwerbsarbeit bestreiten. Vielleicht ist sie heute sogar rigider als jemals zuvor. Wehe dem Vierzehnjährigen, der verlauten lässt, er erblicke für sich im Gamen, Gedichteschreiben, Kiffen oder Musikhören langfristig die grösseren Selbstverwirklichungspotenziale als in der mühseligen Unterordnung unter das Regime einer neurotischen Lehrmeisterin!

Unverdientes Glück

Die Zahl der gesellschaftlich als legitim erachteten Möglichkeiten, für sich einen Ort in der Gesellschaft zu finden und sich von da aus so etwas wie eine Identität aufzubauen, ist weiterhin klein. In ers­ter Linie ist das die Existenz als Berufsmensch. Akzeptiert ist zudem das Leben als Klosterfrau oder Mönch, als Künstler­In (allerdings nur, wenn ein Werk vorgewiesen werden kann) oder als Mutter und Hausfrau (wobei der Legitimationsdruck auf Letztere stetig zunimmt).

Wer die erforderlichen Mittel hat, kann sich selbstverständlich auch für etwas anderes entscheiden. Er oder sie wird dabei freilich ähnliche Erfahrungen machen wie diejenigen, die sich nicht aus Lust, sondern aus Not ausserhalb der vorgegebenen Bahnen bewegen, beispielsweise aufgrund von Invalidität oder Arbeitslosigkeit. Selbst wenn dabei keine direkte Stigmatisierung oder Missachtung erlitten wird, werden Selbstzweifel aufkommen.

Quälend ist für die einen die Frage: Habe ich denn tatsächlich alles unternommen, um für die heutige Arbeitswelt fit zu werden oder fit zu bleiben? Quälend für die anderen die Frage: Wie kann es denn sein, dass ich glücklich bin, indem ich einfach nur über das Leben nachdenke, indem ich mich in einen Text vertiefe, indem ich den Vögeln zuschaue, indem ich schöne Gespräche führe? Kann ein Leben sinnerfüllt sein, das statt greifbarer Werke einzig Erinnerungsspuren hinterlässt? Just in diesem gesteigerten Legitimationsaufwand, der sich sowohl nach innen als auch nach aussen richten kann, bestätigt sich die Kraft von gesellschaftlichen Erwartungen.

Riesige Vermögen

Dass Erwerbsarbeit weiterhin wie selbstverständlich als der Königsweg sowohl der individuellen Bewährung als auch der Positionierung in der Gesellschaft gilt, erscheint auf den ersten Blick vollkommen logisch. Wer sich ernähren, kleiden, einrichten und vergnügen will, muss Geld verdienen. Aber weshalb eigentlich ist heute die Erzielung eines Einkommens weiterhin an die Erwerbsarbeit gekoppelt?

Das gängige Argument lautet, dass nur ein Auskommen haben soll, wer einen Beitrag zur gesellschaftlichen Wertschöpfung leistet. Diese Begründung wird jedoch zunehmend brüchig. Zuerst einmal gilt die Formel «Ohne Erwerbsarbeit kein Einkommen» längst nicht mehr für alle. Der Umstand, dass einzig durch das Glück der Geburt immer mehr Menschen riesige Vermögen besitzen, ist mit dem Selbstverständnis westlicher Gesellschaften als Leistungsgesellschaften nur schwer vereinbar. Des Weiteren werden immer grössere Anteile der Wertschöpfung nicht mehr durch Menschen, sondern durch Maschinen und Automaten erbracht. Auch hier liesse sich fragen, wem diese gewissermassen herrenlosen Erträge denn eigentlich zustehen.

Und drittens handelt es sich bei der heutigen Gesellschaft in einem viel umfassenderen und viel frappierenderen Sinn, als gemeinhin gemeint wird, um eine Gesellschaft von Schmarotzern, Rentnerinnen und Profiteuren. Beschämend mickrig ist beispielsweise der Beitrag, den der CEO eines Weltkonzerns zum Gewinn seines Unternehmens leis­tet. Die entscheidenden Leistungen haben Generationen von Menschen vor ihm erbracht: Mittelalterliche Bäuerinnen und Handwerker, die Wälder rodeten und Städte bauten; Bürgerinnen und Gelehrte, die Universitäten gründeten; Mütter und Väter, die Kinder grosszogen; unternehmerische Menschen, die produktive Infrastrukturen aufbauten; Heerscharen Werktätiger, die sich abrackerten und so den Koloss erst zum Laufen brachten. Die Erträge aus all diesen längst ­abgeschriebenen Werten, die sich niemandem spezifisch zurechnen lassen, würde bei weitem ausreichen, um jedem und jeder Einzelnen bedingungslos ein garantiertes Grundeinkommen auszubezahlen.

Wenn Reiche nicht flanieren

ÖkonomInnen befürchten, dass sich mit der Einführung eines Grundeinkommens die Betriebe entleeren würden, weil jeglicher Anreiz zu arbeiten wegfiele. Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Dass Menschen in westlichen Industriegesellschaften mit dem Beruf die Vorstellung eines einigermassen vernünftigen, im besten Fall auch sinnerfüllten Lebens verbinden, hat sowohl mit gesellschaftlichen Zwängen als auch mit ökonomischen Anreizen im Grunde sehr wenig zu tun. Wer beispielsweise trotz eines ererbten Vermögens nicht zum Flaneur wird, sondern weiterhin arbeiten geht, tut dies schlicht aufgrund eines inneren Antriebs.

Dieser Antrieb ist freilich nicht psychologischen, er ist vielmehr kulturellen Ursprungs. In seiner berühmten Abhandlung «Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus» ging Max Weber vor knapp hundert Jahren der Frage nach, weshalb sich ab dem 16. Jahrhundert die für den Kapitalismus charakteris­tische «rationale Dauerunternehmung» ausschliesslich im Westen etablieren konnte. Denn die wissenschaftlichen, klimatischen und ressourcenmässigen Voraussetzungen hätten auch anderswo in der Welt existiert. Weber führt diese Sonderentwicklung auf das Wirken einer spezifischen Wirtschaftsmentalität zurück, die jenen tüchtigen Menschen hervorgebracht hat, der sich auch dann weiter abmüht, wenn für ein Leben in den gewohnten Bahnen längst genügend da ist; der nach Grösse, Gewinn und Expansion strebt; der nicht verprasst, sondern reinvestiert; der sich mit strenger Disziplin allmorgendlich neu ins Getriebe einklinkt.

Genussmenschen ohne Herz

Weber erklärt diesen Sachverhalt religionssoziologisch: Unter den grossen Kulturreligionen sei das Christentum (und hier insbesondere der Protestantismus) diejenige, bei der das Erlösungsversprechen und das Versprechen auf die Überwindung des Todes in einem ewigen Leben an den Heilsweg einer nicht ausser-, sondern innerweltlichen Askese gekoppelt seien. Nicht durch ein kontemplatives oder meditatives Einswerden mit der göttlichen Macht sei hier das ewige Seelenheil anzustreben, sondern durch die treue und gewissenhafte Erfüllung der Berufspflicht (Luther) oder durch die nie auf Gewissheiten stossende Suche nach Zeichen der eigenen Auserwähltheit im wirtschaftlichen Erfolg (Calvin).

Längst hat sich das Bestreben, sich durch Berufsarbeit zu bewähren, gegenüber diesen religiösen Ursprüngen verselbstständigt - einige versprechen sich von ihr Selbstverwirklichung und damit mittlerweile gar ein diesseitiges Seelenheil. Wiederholt wurde in der Vergangenheit die Befürchtung geäussert, der kapitalistische Betrieb werde erstarren, wenn von dem ursprünglichen Bewährungsgedanken nur noch ein primitives, ökonomistisches Maximieren von Gewinnen und Einkommen übrig bleibe. Weber selbst skizzierte das Szenario, der Kapitalismus könnte sich dereinst in ein «stahlhartes Gehäuse der Hörigkeit» verwandeln, dessen oberste Etagen von «Fachmenschen ohne Geist, Genussmenschen ohne Herz» besetzt werden: «Dieses Nichts bildet sich ein, eine nie vorher erreichte Stufe des Menschentums erstiegen zu haben.»

Ein Klima der Unlust

Ein etwas anderes Szenario lässt sich aus den Fallanalysen zu Selbstbildern und Arbeitsethiken junger Erwerbstätiger herleiten, die unlängst die Berner Soziologin Caroline Bühler vorgelegt hat. Ökonomische Restrukturierungen, die auf Effizienzsteigerung ausgerichtet sind und dabei traditionelle Berufs- und Arbeitsethiken aufseiten der Werktätigen missachten, schaffen nicht nur ein Klima der Unlust. Sie bewirken auch, dass der Beruf immer weniger eine Quelle von Identität ist. «Die Erwerbstätigkeit wird von manchen Interviewten als ein sinnstiftendes Zentrum des Lebens dargestellt. Nicht mehr so arbeiten zu können, ‹wie es richtig wäre›, verunsichert und führt zu Motivationsproblemen.» - Dann betätigten sich also die liberalen Antreiber, Panikmacher und Sanierer als Totengräber des Kapitalismus?

Glücklicherweise sind nebst einer erfüllenden Berufsarbeit auch alternative Formen der Selbstverwirklichung denkbar. Indes: Aufgrund der fortwährenden gesellschaftlichen Ungleichheit stehen diese längst nicht allen zur Wahl. Ausserdem ist es aufgrund der tief sitzenden kulturellen Prägung durch die protestantische Leistungsethik möglicherweise gar nicht so einfach, sein ganzes Glück in der Musse zu finden.

 Verwendete Literatur: Caroline Bühler: «Vom Verlassen beruflicher Identität. Fallanalysen zu Selbstbildern und Arbeitsethiken junger Erwerbstätiger». Seismo Verlag. Zürich 2005. Max Weber: «Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus» (1920), in: Ders.: «Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie I». Verlag Mohr Siebeck. Tübingen 1988.

Zum Autor
Der 38-jährige Soziologe Peter Schallberger ist Dozent an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in St. Gallen. Er forscht unter anderem zu gesellschaftlichen Strukturum­brüchen und deren Auswirkungen auf die Identität.WOZ vom 26.04.2007